Mo. Apr 22nd, 2024

Das schöne Wetter, seit über zwei Monaten fast kein Niederschlag, immer Sonne und dabei starker Nordostwind, bot sich an mal wieder Liepaja zu besuchen und mit ein paar Bekannten sich zu treffen.

Schon die Fahrt in die Stadt wurde schwierig, da der Grossteil der Innenstadt eine einzige Baustelle ist, welche man vielleicht kläger vor oder nach der Sonmmerzeit in Angriff genommen hätte

Glücklicherweise konnte ich bei einer Bekannten am Strand unterkommen, in einem der vielen Sommervillen aus der Zarenzeit, welche jetzt mitlerweile wegen Baufälligkeit völlig abgerissen wurden, oder überkandidelt restauriert oder völlig unpassend neu gebaut. In meinem Falle angenehmer Originalzustand.

Immer noch bildet der bebaute Teil nah am Strand eine gewisse Einheit und ein Flair der Kurstadt, leider ist das alte Kurhaus ausser Betrieb und in fragwürdigem Zustand.

Der Weg zum Strand wurde erst letztes Jahr grundlegend erneuert, ebenso sind die neuen sanitären Anlagen am Strand vorbildlich, man versucht der Stadt wieder die Funktion eines klassischen Strandbades zu geben.

Auch die Gastronomie ist in den Sommermonaten am Strand vertreten, mit drei Restaurants, allerdings wollen sie sich den Platz auch gut bezahlen lassen, vorbei sind die Zeiten günstigen Essens und Trinkens in Lettland.

Anfang Juni ist von grossem Tourismus allerdings noch nicht allzuviel zu spüren, vorrangig kommen nach dem Johannesfest die Litauer als grösste Besuchergruppe.

Der Markt, eigentlich einer der schönsten im Baltikum stirbt trotz oder gerade wegen Renovierung immer mehr ab. Gegen die grossen Supermarktketten können die kleinen Stände mit Produkten kleiner Erzeuger nicht mehr mithalten, am erbärmlichsten sieht die Fischhalle aus und das bei einer Hafenstadt.

Die Erdbeerpreise für einheimische Früchte haben ein neues Höchstniveau erreicht, 15 EUR pro kg. Daneben werden polnische Erdbeeren für 4 EUR angeboten.

Die Stadt selber schwankt zwischen gut renovierten Gebäuden und viel leerstehendem Raum (Iznoma, zu vermieten), welcher aus wirtschaftlichen Gründen nicht vollständig genutzt werden kann, da die Kaufkraft fehlt.

Beim Spazierengehen in der Stadt noch einen kleinen Buchladen (Kungu iela) entdeckt mit Gebrauchtbüchern, darunter auch vielen deutschsprachigen. Mit dem Besitzer Bruno, einem Letten welcher 6 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat gesprochen und erzählte mir eine kleine Anekdote aus seiner Zeit in Deutschland.

Hier der Bericht wie er ihn mir später gesendet hat:

Willkomen zur Alternative für Deutschland!

Während eines Konzertes von Russlanddeutschen habe ich Karl-Heinz Obser kennengelernt. Wir hatten eine gemeinsames Thema gefunden – das Baltikum, die Russen bei uns und Politik generell. Also, ein typisches deutsches Rentner Gespräch, sozusagen.

2014 als ich aus Lettland zurückkam, mit Silvestergeschenk, überraschte mich Herr Obser mit einen Geschenk bzw. Dokument – ich war in die Liste der AfD Kommunalwahlen im Mai 2014 als Kandidat aufgenommen. Upsalla!

Im Anfang dachte ich mir, vielleicht habe ich was falsch verstanden. Ich wurde nie gefragt, während unsere Klatscherei, ob ich für die AfD antretten will. Also musste ich dann so schnell wie möglich über die AfD Partei mehr Infos herauszufinden.

Ja, ich wusste, daß die AfD eher eine konservative Partei ist, die die Meinung vertritt, daß wir zu viele Ausländer haben, und so weiter. Es gab zwei Sachen, die ich bei der AfD quasi gekauft habe – das Professorenpartei Image. Erinnern sie sich noch des ersten Leiters der Partei, der später weggewurfen wurde? Und das zweite Verkaufsmotiv war das Wort – Alternative, wegen den kritischen Äußerungen über EU. In der Zeit ich war eher Europa-skeptisch.

Muss man ehrlich sagen, das war ein 50/50 Fall. Einerseits es klang interessant – Spaß muss sein. Anderseits wollte ich nicht meinen Bekantenkreis kaput machen.

Einen Tag, bevor die AfD in Leipzig einen Antrag auf Teilname an den Kommunalwahlen stellen wollte, kam ich zum Herr Obser nach Hause und sagte – tut mir sehr Leid, bitte machen sie es weiter ohne mich.

Die ganze AfD Leipzig stand auf dem Spiel! Können sie es sich vorstellen, was passierte in den Köpfen der Politiker vorging? Nach längere Argumentation mit Herr Obser, sagte ich, O.K.. Meine Hauptgedanke, warum ich überhaupt o.k. sagte, war mit Integration und Kontakten in die deutsche Gesellschaft verbunden.

Sie können natürlich direkt einwenden, hätte ich nicht eine bessere Partei auswählen können – CDU, SPD, Grünen, Freie Demokraten, selbst die Linken, aber zum Gotteswillen nicht die AfD. Doch, ich versuchte mit den “Richtigen”eine Projekt durchzusetzen.Aber – die “Richtigen” sind nicht so richtig, wie man erwarten könnte.

Bei der Komunalwahl habe ich damals 111 Stimmem bekommen. Nach der Wahl wurde ich nirgendwo mehr eingeladen – der Mohr hat seine Arbeit gemacht.

Bruno unternimmt Tourismusführungen in Liepaja, speziell im alten Kriegshafen (Karosta).

Dort gab es an der Mole auch mal ein kleines Cafe, das wurde mittlerweile wieder entfernt wegen Vertragsunstimmigkeiten mit der Stadt, jetzt soll dort ein Strassenbahncafe entstehen, der Zug ist schon da, wann wird er wieder abfahren?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Translate »