Fr. Jul 19th, 2024

Thomas Neuwirth, österreichischer Sänger und Travestiekünstler, wurde mit seinem Auftritt als Conchita Wurst zur europaweiten Hassfigur rechter Politiker, Foto: Manfred WernerCC by-sa 4.0, Link

Das Wort „woke“ (aufgewacht) benutzten ursprünglich Afro-Amerikaner, um gegen Rassendiskriminierung zu kämpfen. Es verbreitete sich, um Emanzipationsbewegungen zu kennzeichnen, die sich für die Gleichberechtigung sexueller und ethnischer Minderheiten einsetzen; auch der Kampf gegen Klassismus und für soziale Gerechtigkeit ist woke. Bedeutungsgleiche Wörter werden aber auch in politisch anderen Zusammenhängen verwendet: Die lettische Geschichtsschreibung unterteilt die Entwicklung zur staatlichen Unabhängigkeit in drei Atmoda-Phasen, „Atmoda“ bedeutet „Erwachen“. In Deutschland hat der Appell „Deutschland, erwache!“ eine rechtsextremistische Tradition. Die Parole ist dem „Sturmlied“ des Nationalsozialisten Dietrich Eckart entnommen, das von der SA gegrölt wurde und noch heutzutage in einschlägigen Kreisen Anklang findet.

Inzwischen sind Bezeichnungen wie „woke“ und „wokeness“ zu Kampfbegriffen von Rechtsextremisten und Konservativen geworden, um linke Identitätspolitik zu diffamieren. Man kennt die Debatten um Genderforschung, Gendersternchen, Transgender-Toiletten, singende Frauen mit Bärten, angebliche Frühsexualisierung, unterstellte Erziehung zur Homosexualität usw. Alles angeblich völlig unwichtig, als habe man nichts Besseres zu tun, aber alles stets mit viel Schaum vor dem Mund bestritten und verteufelt.

Offenbar ist das Woke doch nicht so belanglos, sondern erzürnt die Befürworter gewohnter patriarchalischer Strukturen, die auf klare Geschlechterrollen und eine von (bestimmten) Männern beherrschte Gesellschaft pochen. Anti-woke Einstellungen haben sich über das gesamte politische Spektrum verbreitet und spalten mittlerweile auch die politische Linke. Der konservative Backlash diffamiert nicht nur die LGBT-Bewegung als „Genderwahn“ – mit dem Propaganda-Vokabular von „Klimahysterie“ bis „Bevölkerungsaustausch“ blockieren rechts Gesinnte den emanzipatorischen und ökologischen Fortschritt. Astrid Zimmermann brachte es auf den Punkt: „Fleisch essen, Winnetou gucken und ohne Limit über die Autobahn heizen – all das muss gegen »woke« Eliten verteidigt werden.“ (jacobin.de) Ein X-User (ehemals Twitter) nutzte „woke“ zu einem besinnungslosen, sinnentleerten Rundumschlag: „Sie meinen diese woke ( =herrenmenschlichen Form von Demokratie) elitäre Feudal Demokratie?“

Lettische Nationalgarde: Männer, uniformiert, bewaffnet und in Reih und Glied. Die lettische Öffentlichkeit führt einen Kult ums Militärische, das klassischen Rollenbildern entspricht. Ob das bei den Heranwachsenden noch ankommt? Foto: Latvijas Republikas Valsts kanceleja, CC BY-SA 2.0, Saite

Letten bezeichnen sich häufig selbst als konservatives Volk. Lettische Nationalkonservative sorgten in den letzten Jahrzehnten dafür, dass Homosexuellen die staatlich anerkannte Partnerschaft verwehrt bleibt, dass die Istanbuler Konvention nicht unterzeichnet wurde, die Frauen besser vor häuslicher Gewalt schützen soll, dass Lettland in der EU zu den Hardlinern zählt, wenn es darum geht, Flüchtlinge und Migranten an den Grenzen zurückzuprügeln.

Doch der konservative Backlash scheint auch hierzulande nicht von Dauer. Lettische 18 bis 30jährige Frauen und Männer, die sogenannten „Millennials“ und die „Generation Z“, ticken anders. Das ergab eine Erhebung von Toms Kreicbergs, Forscher der Technischen Universität Riga. Er untersuchte, wie die von der Werbung vermittelten Bilder von Männlichkeit bei dieser Altersgruppe ankommen. Die heile Konsumwelt wird weiterhin von einem heldischen Mannsbild beworben, muskulös, unerschrocken, cool, aggressiv, dominierend, wettbewerbsfähig, der siegreiche Held im täglichen Kampf ums kapitalistische Dasein als gebietendes Familienoberhaupt. Bei den lettischen Twens kommt das gemäß Kreicbergs` Daten gar nicht gut an. Junge Männer und Frauen schätzen moderne Männlichkeit, die sich zur Gleichberechtigung der Geschlechter bekennt. Männer sollen sensibel sein, Mitgefühl zeigen, die Fähigkeit haben, Emotionen auszudrücken. Die Twens mögen keine Idealisierung traditioneller Männerbilder. Sie gelten als Zeichen toxischer Männlichkeit, als empathieloses, aggressives und rücksichtsloses Verhalten.

Kreicbergs kommentiert sein Forschungsergebnis auf folgende Weise: „Sowohl die Umfragen und Tests als auch die Fokusgruppen jüngerer Letten zwischen 20 und 30 Jahren verdeutlichen ihre Ansicht, dass ein Mann Gefühle zeigen darf, dass er sich für Gleichberechtigung und sogar für Feminismus einsetzen kann, dass er ein fürsorgender Vater und einfühlend sein kann und er nicht `muskulös und bärtig` sein muss.“ (lvportals.lv)

Ein Gedanke zu „Lettische Twens werden „woker““
  1. Die wouken Älschipities kriegen Schotter ohne Ende von den Philanthropen. Wenn ein prekär bezahlter Blogger sich für sie ins Zeug legt, sollte er dafür die Hand aufhalten.
    Diese Bewegung kommt nicht von unten, sondern wurde von Vordenkern designt. Zumindest die Propaganda über die Grenzen der praktizierendrn Community hinaus. Wer nicht genug eigene Inhalte hat, dem bietet sich das an, hier mitzumachen.
    Es gibt die hermetischen Gesetze, es gibt Yin und Yang, oder wie der Volksmund sagt: “Sujet kütt von sujet.” Da kann man gern zetern über DIE Rechten, Konservativen, Patriarchalischen, die glauben, behaupten, instrumentalisieren, … – wir werden ja sehen, wohin es führt.
    Ausnahmslos alle, die sich ihren Pimmel abschneiden lassen, landen später in der Psychiatrie, im Knast oder unter der Brücke – wenn sie nicht zuvor den Freitod wählen.
    Super-Ideologie, Super-Kultur – weiter so!

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