1995 gegründet mit einem Staatsanteil von etwas über 50%, hervorgegangen aus Latavio dem lettischen Zweig der Aeroflot bediente sie Anfangs weitgehend naheliegende inner- und osteuropäische Ziele. Die Fokker 50 war ein häufig eingesetztes Flugzeug um aus Städten wie z.B. Odessa, Minsk, Kiew, Vilnius, Tallinn als Zubringer Passagiere ans Drehkreuz Riga zu befördern. Das Titelbild zeigt meinen Rückflug von Odessa nach Riga, Herbst 2005. Bis 2025 wurde das Streckennetz stark ausgebaut, nach Nordafrika, Asien, Kaukasus.
Siehe dazu auch: https://lettlandweit.info/air-baltic-eine-lettische-fluggesellschaft-auf-expansionskurs/
2011 kam es zu ersten ernsten finanziellen Problemen, sodas der lettische Staat unter der Bedingung des Rücktritts des damaligen Geschäftsführers Bertolt Flick faktisch die gesamten Anteile an Air Baltic übernahm. Dies war die erste staatliche Rettung vor drohender Insolvenz.
Mittlerweile droht die nächste Pleite, da Zinsrückzahlungen von 14,5 % für Kredite in Höhe von 380 Millionen Euro bis Mitte August nicht möglich waren. Parallel dazu traten vermehrt kurzfristige Stornierungen von Flügen auf, sowie die starke Reduzierung von Flügen ins fernere Ausland. Deshalb versucht der lettische Staat jetzt mit weiteren Finanzhilfen und Überredungskünsten an die Gläubiger den Betrieb notdürftig am Leben zu erhalten, unter weiterer Abspeckung der Luftfahrtlinie und Flugzeuge.
https://www.airliners.de/air-baltic-bekommt-zinsaufschub/89664
Der Ministerpräsident von Lettland, Kulbergs, vertritt die Position, dass die Rettung und der Erhalt von AirBaltic trotz der enormen Kosten kein Luxus, sondern eine strategische Notwendigkeit für das Überleben der lettischen Wirtschaft ist. ein Kollaps von AirBaltic das Drehkreuz Riga zerstören würde. Das hätte direkte negative Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Lettlands, den Tourismus, den Dienstleistungssektor und die Attraktivität für ausländische Investoren. Nach dem Wegfall der Verkehrs- und Handelswege gen Osten (Russland/Belarus) ist die Anbindung nach Westen eine Frage der nationalen Sicherheit.
Die drohende Abkopplung Lettlands und des Baltikums vom Zentraleuropäischen Verkehrsnetz?
Die Zeit der Billigflüge insbesondere Berlin – Riga – Berlin durch Ryanair sind weitgehend vorbei, da Ryanair nur noch Memmingen und Köln von Riga aus anfliegt, begründet wie immer durch zu hohe Flughafenabwicklungsgebühren. Der einzige andere Billigflieger , Wizz Air hat jegliche Verbindung mit Lettland eingestellt. Dazu kommt die nächste drohende finanzielle Katastrophe, Rail Baltica, mit 5 fach gestiegenen Kosten zur ursprünglich veranschlagten Summe von knapp 6 Milliarden Euro, jetzt bei 25 Milliarden Euro, – steigend. Ebenso die geplante Fertigstellung von 2026, – keine Spur davon. Frühestens 2035 – 2040 prognostiziert man. Ob dann noch der militärische Bedarf aufgrund eines drohenden russischen Angriffes besteht, oder sich möglichwerweise bis dahin sowieso erledigt hat, steht in den Sternen.
Da schaukelt sich etwas auf, sinkende Tourismuszahlen in Lettland welche das vor Corona Niveau bis heute nicht wieder erreicht haben. Parallel dazu stark steigende Reisekosten und ebenso stark steigende Gastronomie- und Hotelkosten tuen das Übrige dazu, den Tourismusstrom nach Lettland und ins Baltikum zu verringern, begleitet von German Angst angesichts kleinerer Drohnenvorfälle im baltischen Grenzgebiet zu Russland.
Einfach gesagt, nach dem Tourismus Boom der späten 90er und 2000er Jahren gerät Lettland und das Baltikum immer mehr in den Hintergrund und könnte somit auch an politischer Bedeutung verlieren.
Jetzt legt der lettische Staat nochmal 30 Mio. EUR unbesichertes Darlehen zu den bestehenden 50 Mio. EUR Staatsknete, um kurzfristigste Liquidität für Zinsen und Verluste bereitzustellen. Diesen Monat soll es dann auch eine Vorabentscheidung zum angestrebten „Debt-for-Equity-Swap“ geben, der Umwandlung von Unternehmensanleihen (Besicherte Schuldverschreibungen über 380 Mio. EUR, fällig 2029) in Aktien, also Unternehmensanteile, der Gläubiger. Die Kreditgeber würden so „zwangsweise“ zu Miteigentümern der Airline. Das ist das Interesse von Rīga: selbst aus dem Mehrheitsanteil an airBaltic rauskommen, nachdem Tallinn und Vilnius über den IPO im Jahr 2025, der scheiterte, nicht als Aktionäre zu gewinnen waren. Aktuell führt Kulbergs auch mit Litauen Gespräche über eine gemeinsame baltische Airline als Nachfolgegesellschaft der airBaltic