Vom 10. – 12. September 2026 fand die alljährlich wiederkehrende Messe Baltic Food in Riga statt. Aufgeteilt war sie wie sonst auch in den lettischen und internationalen Bereich. Beide Hallen waren zu ca. 2/3 gut gefüllt mit Ausstellern, wenn auch an manchen Ecken grössere Lücken klafften. Bei Preisen von etwa 1000 EUR für einen kleinen Stand werden einige potentielle Firmen und Betriebe mit ihrer Teilnahme gezögert haben, da das Baltikum, insbesondere Lettland, nun mal keinen grösseren vielversprechenden Absatzmarkt bietet, aufgrund geringer Bevökerung und schwacher Kaufkraft durch magere Löhne und Renten. Grosses Gedränge gab es am Donnerstag und Freitag nicht. Auffallend waren die vielen staatlichen Stände von Laboratorien, Patentamt, Kliniken.



Lettische Spezialitäten
Traditionell und einfach gehalten war ein Stand aus Latgale mit klassischen Räucherwaren und dem berühmten Schwarzbrot, welches je weiter man in Lettland gen Südosten kommt umso schwärzer wird.

Daneben gab es auch den Versuch Luxustee anzubieten, welcher natürlich nicht aus Lettland stammt. Eine Probe hat mich nicht wirklich überzeugt, der Tee hatte einen etwas aschigen Beigeschmack, aber Geschmack ist Ansichtssache, sagte der Affe und biss in die Seife. Die Preise für ein kleines Tütchen Tee waren ebenso entsprechend nobel mit durchschnittlich 20 EUR.


Brot gab es in zahlreichen Varianten, meist stark mit Kümmel durchsetzt aber hier mal in bunter Vielfalt ohne Kümmel.

Eine Firma hat sich auf gefriergetrocknete Kamtschatka-Heckenkirschen spezialisiert welche eigens dafür in Lettland angebaut wurden.

Ein Gewürzpulverstand bot Verkostung an, gemischt mit neutralem Frischkäse konnte man zu allen Gerichten die passende Beilage zusammenstellen.

Ebenso gab es auch Saucen in aller Art zum probieren, eingemacht in kleinen und grösseren Gläsern.

Ein grosser Stand mit den Ergebnissen der besten Verpackungen für lettische Produkte bestach meines Erachtens nicht durch besondere Originalität.

Durchwachsen war die ganze Messe mit gesundheitsfanatischen Bioprodukten aller Art. NICHT NICHT NICHT, das ist der neue Slogan für Gesundheit, am gesündesten wäre nach dieser Logik der leere Teller.

Der getrocknete Pilzstand mutete etwas verlassen an.

Neben dem Nobeltee gibt es auch einen lettischen Teeverein welcher viele lettische Teeproduzenten und Importeure unter einem Stand vereinigte.

Interessant fand ich einen Fischkonservenstand, welcher nicht nur Hering, Makrele, Lachs oder Sardinen in Dosen anbot sondern auch Hecht und Karpfen.


Ein lettische Firma produziert Schweinfleisch in verschiedensten Marinaden und möchte auch nach Deutschland exportieren. Ich habe eigentlich erst in Osteuropa, insbesondere auch Lettland, zartes angenehm mariniertes Schaschlick kennengelernt, in Deutschland wurde auf Grillpartys meist nur „frisches“ Schaschlik angeboten, bzw. mit ein paar Paprika- oder Zwiebelstückchen durchsetzt. Das Fleisch meist zäh und trocken.

Fruchteis in neuer Form wurde von der lettischen Firma Alfreda Darz experimental präsentiert, könnte aber ein Partyschlager werden. Der Stückpreis im Einkauf würde bei ca. 0,25 EUR liegen, das Eis enthält nur 2 % Zucker.

Absolut engagierte Mitarbeiter der lettischen Firma Baltic Ovo zauberten Eis-Cocktails mit ihrem Plombiereis, welches hautsächlich aus süsser Sahne besteht, im Gegensatz zum einfachen Milcheis, durch Zusatz von lettischen Fruchtsäften.

Cidre ist ein zunehmendes Thema in Lettland, ich probierte an einem Stand Rabarbercidre, leider war der Stand am nächsten Tag verschwunden, somit kein Foto.

Hanf ist ein neu entdecktes Thema in Lettland, allerdings genetisch weitgehend ohne THC Anteil gezüchtet, als Gesundheitsmittel oder als Beigabe zu allen möglichen Lebensmitteln, u.a. auch zu Schokolade. Das erinnerte mich an eine Stelle aus dem Buch von Jules Verne, Ein Drama in Livland, wo er die Atmosphäre und die Landschaft detailreich festhält. Erwähnt wird dort unter anderem die von Hanffeldern geprägte Natur, deren starker Geruch im Sommer die Region prägte. In der klassischen deutschen Übersetzung wird die besagte Stelle als endlose Ebene beschrieben, der im Sommer der kräftige Hanfgeruch entströmt, da damals natürlich der Hanf auch natürliches THC enthielt welches eines der wesentlichen Elemente für den Rauschzustand ist.

Die Halle für internationale Anbieter
war besonders stark durchsetzt mit Produkten aus Italien, teils versuchen Italiener ihre Produkte zu präsentieren, oft aber auch möchten Letten Produkte aus Italien importieren. Insbesondere Wein und Käse.

Am grösseren italienischen Stand war ein Ire mit dem Weinausschank beschäftigt, ein durchaus hervorragender Weinkenner, auf meine Frage warum in den ca. letzten 20 Jahren der Alkoholgehalt der Weine immer mehr ansteigt und ob das so beabsichtigt ist, meinte er, nein, das liegt an der Klimaerwärmung, dadurch bekommen die Trauben noch mehr Zuckergahlt welcher dann automatisch in Alkohol umgewandelt wird.

Neben ihm war ein Italiener beschäftigt, welcher allerdings seit über 10 Jahren in Finland lebt. Im Winter fährst du dann doch immer nach Italien fragte ich ihn, nein meinte er, im Winter hat er mit dem Vertrieb italienischer Produkte in Finnland zu tun, da die Menschen dort depressiv werden und versuchen das durch gesteigerten Konsum, insbesondere von Produkten aus südlichen Ländern, auszugleichen.

Eine Firma für Korken und Verschlussherstellung von Flaschen fiel mir auf, ein sehr kleines abgerundetes Nischenfeld, die einfachsten Koreken kosten bei einer Mindestbestellmenge von 5000 Stk 0,20 EUR bis zu den edelen Cognacverschlüssen von 5 EUR.

Auch wieder viele Stände mit Gesundheitsprodukten, unter anderem ein Stand mit veganen Würstchen, Schaschlik, Fleischbällchen etc. . Der Geschmack überzeugte mich in keinster Weise, absolut überwürzt versuchte man so dem pappigen Geschmack von Soja und Tofu vergeblich auszuweichen. Warum Veganer ihre armseligen Produkte mit Fleischbezeichnungen verzieren ist mir bis heute unklar geblieben, oder soll das bedeuten sie wollen eigentlich Fleisch essen, aber da sie das aus allen möglichen Gründen nicht tun brauchen sie einen Fleischersatz.

Das Thema Russland und Osteuropa
Natürlich war kein Stand aus Russland vertreten, dafür aber wieder ein grosser Gemeinschaftsstand aus der Ukraine. Auch die Bierbrauerei vom letzten Jahr war wieder vertreten, welche händeringend einen neuen Absatzmarkt sucht, da der Absatz in der Ukraine stark rückläufig ist, wie man mir sagte. Dies liegt an mehreren Faktoren, zum einen beginnen junge Leute mehr und mehr den Alkohol zu meiden, zum anderen sind viele potentionelle Kunden in der Armee und an der Front wo offiziell auch der Alkohol untersagt ist, und schliesslich befinden sich ein Grossteil der oft männlichen Kunden auf der Flucht im Ausland.

Per Zufall kam ich bei einem polnischen Aussteller mit einer jungen Ukrainerin ins Gespräch, welche für die traditionelle Firma arbeitet.

Sie erzählte mir von einem US Programm welches viele in Europa womöglich nicht kennen, „Uniting for Ukraine“ (U4U), an welchem sie auch teilgenommen hatte. Es wurde von der US-Regierung zu Beginn 2022 kurz nach dem russischen Angriff ins Leben gerufen, um ukrainischen Staatsbürgern und ihren engsten Familienangehörigen, die vor dem Krieg geflohen sind, eine legale Einreise und einen Aufenthalt in den USA zu ermöglichen. Befristet für 2 Jahre mit der Option einer nochmaligen Verlängerung von 2 Jahren. Das es den USA nicht nur um Hilfeleistung sondern auch um Einfluss auf die ukrainische Bevölkerung im prowestlichen Stile ging erklärt sich besonders im Zusammenhang mit den Maidan Ereignissen. Das Programm wurde im Januar 2025 offiziell pausiert. Zur Frage nach den Ursachen des Krieges gab sie mir Recht, das die Regierung den Osten der Ukraine infrastrukturell ignoriert hat und dafür die Quittung bekommen hat. Sie sieht das grösste Problem in der ukrainischen Regierung und nicht im ukrainischen Volk.
Mit Erstaunen habe ich den Stand für ein High Society Magazin wahrgenommen.

Zwar gross in englischer Sprache beworben, aber nur russischsprachig gedruckt, für Russen in Riga und Jurmala und wohl auch noch immer aus Russland. Passender Titel, 360 Grad, für Vorzeigepüppchen ala Baerbock.

Der usbekische Stand war zwar sehr gross, aber etwas spärlich.

Dafür waren die Slowaken auf dem Vormarsch mit ihren Weinen, welche bisher noch im westlichen Europa ziemlich unbekannt sind, obwohl das Land eine jahrtausendealte Weinbautradition besitzt, die bis in die Zeit der Kelten und Römer zurückreicht.


