Sa.. Juli 11th, 2026

ein kurzer Reisebericht von unserer Gastkorrespondentin Natalja aus Riga, welche mit dem Ecolines Bus über Koidula (Estland) bis nach Pskow (Russland) gefahren ist.

Die Grenzüberquerung war sehr langwierig, die estnischen Zöllner wickelten sehr schnell ab, aber dann musste man 4 Stunden in der Schlange bei den russischen Zöllnern stehen, da diese jeden einzelnen Reisenden in einem Zimmer bezüglich der Gründe für die Reise nach Russland befragten.

Glücklicherweise hatte ich eine Bescheinigung von der Kirche in Pleskau dabei woraus zu entnehmen war das dort meine Vorfahren begraben liegen. Somit war es nur eine sehr kurze Befragung.

In Pskow/Pleskau wohnt eine Tante von mir wo ich dann auch übernachten konnte.

Dann wollte ich ein militärisches Bauwerk besichtigen, das Lettland und Russland verbindet/trennt – die „Stalin-Linie“, etwa 5 km von der Stadt Ostrow und etwa 65 km von der heutigen lettisch-russischen Grenze „Ventuli-Ludonka“ entfernt.

Das Bauwerk ist beeindruckend, da der Bau der Stalin-Linie um 1925 begann und die damaligen Verteidigungsstellungen der Militärbezirke Leningrad (St. Petersburg), West-Kyiv-Odessa-Kingissep (Finnland), Pleskawa-Polock (Russland), Minsk-Mosir (Weisrussland), Nowgorod-Wolynskyj-Letitschewskyj-Mogilew-Podolskyj-Rybniza-Tiraspol (Russland) und Karelisch verband.

Zwischen 1926 und 1937 wurden 13 solcher Militäranlagen errichtet, an denen zahlreiche Ingenieure, Architekten und Konstruktionsbüros der Sowjetunion beteiligt waren. Von den geplanten 250 Anlagen wurden jedoch nur 70 Verteidigungsbefestigungen gebaut.

Militärische Aktionen im Jahr 1941 verhinderten die Umsetzung dieses grandiosen Projekts. Einige Verteidigungsanlagen dieses Projekts sind bis heute in gutem Zustand erhalten geblieben, darunter der Kommando- und Beobachtungsposten Pereskopnaya, die Funkstation und der teilweise restaurierte Grenzbeobachtungsturm.

Auch findet man einen Gedenkstein an die Ermordung von 14 Juden durch die Deutsche Wehrmacht.

Es wurde im Jahr 2016 eingeweiht und erinnert an eine Tragödie vom Sommer 1941. Die russische Inschrift übersetzt sich wie folgt:

„Hier ruhen die sterblichen Überreste von 14 friedlichen Bürgern – Juden, die im Juni 1941 von den faschistischen Besatzern bestialisch ermordet wurden. Ewiges Gedenken an sie.“

Historische Nachforschungen ergaben, dass es sich um eine Gruppe jüdischer Flüchtlinge handelte, die nach dem deutschen Einmarsch im Juni 1941 versuchten, aus Lettland tiefer nach Osten in die Sowjetunion zu entkommen. An der damaligen Grenze (nahe Gauru pagasts) wurden sie von den vorrückenden deutschen Truppen eingeholt und erschossen.

Die Anlage ist sehr beeindruckend – mich persönlich hat sie tief beeindruckt, nicht nur wegen der imposanten Gebäude und militärischen Einrichtungen, sondern auch, weil hier die lettische Grenze hätte verlaufen können.

Nachbemerkung der Redaktion:

Leider sind wir auf dem besten Wege nach fast 100 Jahren wieder dieselben Grenzbefestigungen zur Aufnahme eines Krieges zwischen Russland und Europa aufzubauen.

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