Di.. Aug. 18th, 2026
Deutschbalten verlassen Lettland 1939 auf Schiffen über die OstseeDie Um- oder Aussiedlung der Deutschbalten 1939 läutete den Untergang der 1. Republik in Lettland ein, auch wenn man den Exodus unter nationalistischen Letten zunächst bejubelte

Am 23. August 1939 wurde der Ribbentrop-Molotow-Pakt zwischen dem nationalsozialistischen Deutschen Reich und der kommunistischen Sowjetunion unterzeichnet. Der Pakt datierte auf den 24. August 1939. Bekanntlich existieren beide Staaten nicht mehr. Ihre völkerrechtlichen Nachfolgestaaten aber doch.
Mit diesem Pakt trat die Sowjetunion Stalins an der Seite-Hitlerdeutschlands in den 2. Weltkrieg ein.
Der Pakt der beiden Großmächte besiegelte laut des geheimen Zusatzprotokolls das Ende der 1. Republiken im Baltikum. So auch jenes der Republik Lettland. Die erst nach 1918 ihre Unabhängigkeit erlangten jungen Ostseerepubliken wurden der sowjetischen Einflußsphäre zugeschlagen.
Jedes Jahr wird nicht nur in Tallinn, Riga, Vilnius am 23./24. August dieser Schande der Geschichte gedacht. Das Trauma, auf dem europäischen Schachbrett verraten worden zu sein, wirkt fort.

Ebenso die Lektionen für unsere turbulente Epoche.

Nazi-Deutschland erkaufte sich mit Ribbentrops Rochade den Sieg über Frankreich 1940. Die bolschewistisch-stalinistische Sowjetunion erkaufte sich wertvolle Zeit und „ihren Teil“ Polens – und das gesamte Baltikum. Vorerst. Aus dieser schändlichen Tragödie sind in den Hauptstädten der „Baltics“, so auch in Riga, dringend aktuelle Lehren zu ziehen. Das Gedenken wird zur Mahnung für das 21. Jahrhundert. Und der „Bundesrepublik“ wird erneut nicht zu trauen sein.

Übersetzt ins heute und exklusiv vorab: Was bedeutet es im Jahr 2026, nicht genug Deutsche, Franzosen, Briten, Spanier, Italiener und andere Westeuropäerinnen und Westeuropäer, U.S. Bürgerinnen und Bürger, Kanadier im Land zu haben? Sie sind die „menschlichen Schutzschilde“ der baltischen Unabhängigkeit. Seien wir also nett zu den westlichen Nachbarn auf Lettlands Straßen und Plätzen. Ein Gruß geht an den PMLP der Republik Lettland.

Am Sonntag, 23. August 2026, 12:00 – 16:00 Uhr, trifft sich der STAMMTISCH LETTLAND zum Impuls-Thema „Der Gedenktag 23./24. August und Lektionen für heute“ auf der 2. Etage des Rigaer Āgenskalna tirgus.

Deutschsprachige Interessentinnen und Interessenten sind als Gäste am STAMMTISCH LETTLAND herzlich willkommen.


Kinder, Familie, Haustiere können gerne zum STAMMTISCH LETTLAND mitgebracht werden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind eingeladen, Snacks von zu Hause oder vom Markt mitzubringen und mit den anderen Gästen zu teilen.
Der wunderschöne Markt liefert alles für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel.
Mahnendes Gedenken muss nicht mit Hunger, Durst und gedämpfter Stimmung einhergehen.

Die Umsiedlung der Deutschbalten 1939

Die jahrhundertelang im späteren Lettland lebende deutsche Bevölkerungsgruppe wurde nicht vertrieben. Die Deutschen gingen freiwillig.

Spätestens mit dem Ende des 1. Weltkriegs und mit der so erwachsenden Unabhängigkeit der 1. Republik war ihre historische Rolle an einen Endpunkt gekommen. Allerhand berufliche und soziale Diskriminierungen in den Zwanzigerjahren, Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts taten ihr Übriges. Man sah häufig keine Zukunft mehr im nationalistischen und ab 1935 autoritären Lettland. So wurde der Weg für die Umsiedlung von 1939 („Heim ins Reich“) geebnet. Ethnische Säuberungen waren in den Dreizigerjahren des blutigen Jahrhunderts bereits vorstellbar und ein in Europa vor Beginn des 2. Weltkrieges denkbares Mittel der Politik. Das soll an dieser Stelle notiert und nicht vergessen werden.

Auf diese besondere historische Phase des autoritären, semi-diktatorischen Regimes von Kārlis Ulmanis ab 1934 werden wir noch zu sprechen kommen. Ulmanis selbst war als lettischer Nationalist ein großer Freund der Neutralisierung der Deutschbalten in der Gesellschaft der 1. Republik und träumte gewiss von dem Ende, das es 1939 final nahm. Der „Strongman“ der 1. Republik befasste sich sogar mit Planungen eines Triumphbogens an der Daugava (Düna), der u.a. das Ende des Deutschtums in Lettland verherrlichen sollte.

Dabei stand Ulmanis zunächst nicht mal auf der falschen Seite der Geschichte. Schon vor den Dreizigerjahren hatte sich die jahrhundertelange, historische Rolle der Deutschbalten stark erledigt.
In der Revolution von 1905 verpassten sie im russischen Imperium die letzte Ausfahrt. Ihre Selbstverwaltung scheiterte in der Krise, sie waren für das unmittelbare Überleben auf russische Truppen angewiesen.
Die erste national-lettische Rebellion, in deren Verlauf mehr als 100 Gutshöfe brannten, konnte durch St. Petersburg militärisch niedergeschlagen werden. Siehe dazu auch die Printausgabe dieses Magazins aus dem Jahr 2007. Aber Deutschbalten und selbstbewusster werdende Letten waren nun endgültig auf unterschiedlichen Seiten der Geschichte angekommen. So ging es in den 1. Weltkrieg.

Nach den Wirren zum Ende dieser Urkatastrophe Europas und der Erlangung der Unabhängigkeit der 1. Republiken im Baltikum sah es nicht besser aus. Laut Daten der vierten Volkszählung der jungen Republik Lettland („Ceturtā tautas skaitīšana“) waren es vormals vergleichsweise 1920 noch 3,6 Prozent und im Jahr der Volkszählung 1935 nur noch 3,2 Prozent, nur noch gut 62.000 Menschen, ethnische Deutsche. Einstmals waren es fast 200.000 Deutschbalten. Über die Jahre ereignete sich bereits eine massive Abwanderung. Das Deutschbaltentum starb seit der Unabhängigkeit Lettlands 1918 auch ohne Ulmanis.

Zufallsfund: Fotodokumente von 1939

Lange konnte man sich von dem historischen Exodus der jahrhunderte dominanten Oberschicht nicht wirklich ein Bild machen. Er verlief geordnet und ohne viel Aufmerksamkeit.

Der Ribbentrop-Molotow-Pakt (oder „Hitler-Stalin-Pakt“ oder „Molotow-Ribbentrop-Pakt“) beherrschte vor Kriegsausbruch die internationalen Schlagzeilen und das „kleine Detail“ der freiwilligen Umsiedlung der Deutschbalten, die man auch in der Öffentlichkeit des Deutschen Reiches spätestens mit der 1934 in Deutschland erschienenen Romantrilogie des Autors Siegfried von Vegesack, „Die Baltische Tragödie“, als ethnische Relikte einer untergegangen Epoche begriff, geriet aus dem Blick.

Daher kommt der „Detektivarbeit“ des Letten Valdis Gavars höchster Verdienst zu. Ihm fiel vor einiger Zeit ein Schatz in die Hände. Vor mehr als 80 Jahren aufgenommene Fotonegative der Durchführung der „Aktion Heim ins Reich“ in Lettland. Ein Zeitdokument unschätzbaren Wertes, das angesichts des geordneten Ablaufs der Tragödie Sprachlosigkeit hinterläßt. Im Auftrag des Finders widmete sich der lettische Fotorestaurator Rihards Puriņš der Wiederherstellung der alten Filme. Die Arbeit der beiden Herren mündete vom 30. Juni bis 30. Juli 2026 in eine bemerkenswerte Ausstellung des fotografischen Fundus im Rigaer Museum „Mencendorff Haus“, die hier für die interessierte Öffentlichkeit zeitgeschichtlich dokumentiert sei.

Einige der Schiffe für den Seetransport nach Westen hatten bereits Tarnanstrich. Der heraufziehende Weltkrieg war unübersehbar.

Mit dem nationalsozialistischen Überfall auf Polen am 1. September 1939 trat die Sowjetunion an der Seite Hitler-Deutschlands in die blutige „Neuordnung Europas“ ein und griff sich ihren Teil der Beute.
Die Deutschbalten wähnten sich zunächst im vormals polnischen „Warthegau“ in Sicherheit.
Lettinnen und Letten wurden von den Sowjets nicht mehr so „geordnet“ deportiert. Sie starben in den Zügen und Lagern ab 1940/1941, so nicht ein Genickschuss des „NKWD“ ihr Leben zuvor beendete.

Das Vorwort von Siegfried von Vegesack zu „Die Baltische Tragödie“ (1934) als Menetekel:

„Diese Blätter sollen die Tagödie der Balten, ihr Martyrium und ihren heroischen Kampf der Vergangenheit entreißen. Nichts soll beschönigt, nichts bemäntelt, eigene Schuld nicht abgeleugnet werden. Die baltische Tragödie bedarf keiner Verherrlichung, dem harten Schicksal wird nur harte Wahrheit gerecht. Es bleibt genügend, worauf wir Deutschbalten mit Recht stolz sein dürfen.“

Am 30. Oktober 1939 schlossen Berlin und Riga den Umsiedlungsvertrag. Auch unter dem Eindruck der zunehmenden Spannungen Rigas mit Moskau. Stalin hatte zuvor im Oktober den unabhängigen Regierungen Estlands, Lettlands, Litauens und Finnlands ein Ultimatum zur Bewilligung umfangreicher sowjetischer Militärbasen gestellt. Allein in Lettland sollten 30.000 Rotarmisten dauerhaft stationiert werden. Das entsprach ca. der doppelten Stärke der Armee der Republik. Am 17. Juni 1940, nach weiteren von Stalin vorangetriebenen Eskalationen, wurde Lettland von der Roten Armee abschließend besetzt und eine Kollaborationsregierung für den Vollzug des Anschlusses eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Deutschbalten ihre Heimat von mehr als 700 Jahren verlassen. Nur ein Jahr nach der Schande des 23./24. August wurde die „Lettische Sozialistische Sowjetrepublik“ in die Sowjetunion aufgenommen und die 1. Republik hörte auf zu existieren. Nur das lettische diplomatische Korps in London und Washington bestand all die Jahrzehnte der Besatzung fort und trug das Feuer der Unabhängigkeit weiter, bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion.

Der „Baltische Weg“, 23. August 1989

In der Ära der sowjetischen Besatzung war die Erwähnung des „Ribbentrop-Molotow-Pakts“ (oder „Molotow-Ribbentrop-Pakt“) bei Strafandrohung verboten. In der amtlichen Propaganda existierte das geheime Zusatzprotokoll, das die oben beschriebenen Ereignisse 1939-1941 auslöste nicht. In unserer Zeit nennt man so etwas „Verschwörungstheorie“.

Und dennoch sprachen die Menschen in den vormals unabhängigen Republiken Estland, Lettland, Litauen in der Familie und im vertrauenswürdigen Freundeskreis über die historische Wahrheit.
Niemand, insbesondere nicht im „Westen“ und schon gar nicht in der alten Bundesrepublik Deutschland, hatte aber auf dem „Radarschirm“ was sich während der innenpolitischen Umbrüche der Ära Gorbatschow nun plötzlich im baltischen Winkel des roten Riesenreichs ereignen sollte.
Der „baltische Nationalismus“ wurde von nahezu allen führenden Medien der Bundesrepublik Deutschland 1988/1989 als „Gefahr“ und „Destabilisierung“ der Sowjetunion dargestellt. Noch stand die Berliner Mauer. Über dem Kommunismus in Europa aber schien die Ostseesonne seines letzten Sommers.

Entsprechend berichtete die damals noch überschaubare Anzahl der Fernsehsender der alten Bundesrepublik Deutschland, also ARD, ZDF, Sat1, RTL, auch nicht (angemessen ausreichend). Zumal die erst folgende Eskalation in der dann kollabierenden DDR alle Aufmerksamkeit der Deutschen forderte.

Nachdem Gorbatschow in der Sowjetunion die Weichen auf eine Reform des kommunistischen Regimes stellte, forderte 1986 die lettische Dissidentengruppe „Helsinki-86“ die Veröffentlichung und Aufhebung des „Ribbentrop-Molotow-Pakts“ und regte für den 50. Jahrestag, für den 23. August 1989, gemeinsame Proteste in den baltischen Sowjetrepubliken an.

Zusammen mit den Protesten gegen den Bau der Rigaer Metro (U-Bahn) entwickelte sich aus isolierten Dissidenten-Gruppen binnen 3 Jahren eine kritische Masse des Protests. Gleiches geschah mit anderen Faktoren der Mobilisierung in jeweils der Estnischen und Litauischen Sowjetischen Sozialistischen Republik nebenan. So war in Litauen einer der Treiber nach dem radioaktiven Super-GAU in Tschernobyl 1986 der Protest gegen das Atomkraftwerk Ignalina.

Aus den so vitalisierten baltischen Volksfrontbewegungen erwuchs eine Durchschlagskraft, das in die „singenden Revolutionen“ mündete und die organisatorische Grundlage für den 23. August 1989 bildete.

So entstand die mehr als 600 km reichende Menschenkette von 2 Mio. Menschen im heutigen Litauen, Lettland, Estland – die das 50 Jahre zuvor mit einem Federstrich europäischer Großmächte besiegelte Unrecht anprangerte und damit der Anfang vom Ende der Sowjetunion wurde.
Die mutigen Menschen forderten, den Pakt der Schande zu annulieren. Erste laute Rufe nach Wiederherstellung der Unabhängigkeit der baltischen Staaten wurden massenhaft laut. Nur nicht so richtig in der alten Bundesrepublik Deutschland und in Westeuropa. Dort interessierte man sich für die baltischen Sowjetrepubliken und ihren Freiheitskampf erneut herzlich wenig. Moskau war im Blick.
Tallinn, Riga, Vilnius spielten keine Rolle im Blickfeld Bonns.
Bestenfalls als „Störenfriede“.

Der heroische „Baltische Weg“ leistete möglicherweise mehr für die Freiheit in Europa als die erst später Dynamik gewinnenden Demonstrationen in der DDR. Bis heute bleibt das westliche Desinteresse an den historischen Vorgängen im Sowjetimperium schleierhaft. Allerdings signalisiert es auch nicht wirklich Hoffnung für die Zukunft, im Zeitalter des „hybriden Kriegs“ und des seit 2014/2022 wieder realen europäischen Krieges.

Lektion: Traue niemals Berlin

Die Deutschen interessieren sich nicht erst seit 1939 nicht mehr für die baltische Region. Daran ändern auch eine Vielzahl sehr professionell vorgetragener PR-Kampagnen, Besuche von Bundespräsidenten, eine exzellente „Public Diplomacy“ der Botschaften der „Bundesrepublik“ in Tallinn, Riga, Vilnius und gelegentliche mediale Aufmerksamkeit etablierter Redaktionen im „Westen“ nichts.
Käme es hart auf hart, wäre Berlin (mit Paris, Rom, Madrid pp.) gewiss wieder näher an Moskau als an den Hauptstädten der „Baltics“. Die einzige Lebensversicherung Lettlands ist heute in Washington.
Und die hat nur noch bedingte Öffnungszeiten.
London ist nur deren Außenstelle.

In aller Deutlichkeit: Auch heute liegt neuer Verrat in der Luft. Die „Panzerbrigade 45 Litauen“ der „Bundeswehr“ ist nur „bedingt einsatzbereit“ oder wird es eher niemals werden. Sie ist ein „Bluff“ Berlins, um die baltischen Verbündten zu beruhigen – aber leider auch zu täuschen.
Jedwede Fachöffentlichkeit, die halbwegs über die Streitkräfte der „Bundesrepublik“ orientiert ist, ahnt: es wird keine Freiwilligen in ausreichender Anzahl für die Stationierung in der angreifbarsten Lücke der NATO in unserer Region geben, zumal die Kampfkraft der „Buntenwehr“ gegen die gedrillten Armeen von Balarus und Russland im schnellen Vorstoß auf Kaliningrad nicht mal für 2, 3 Tage ausreichen dürfte.
Insbesondere nicht, wenn es dann sofort nuklear würde und NATO-Staaten entscheiden müssten, ob sie sich mit Moskau arrangieren oder sie es nuklear-strategisch eskalieren lassen wollen.
Wobei dann eben Kansas City für Kaunas und Versailles für Vilnius zu opfern wäre. Da Berlin (noch) keine eigene taktisch-nukleare Option hat, wäre die „Panzerbrigade 45 Litauen“ voll und ganz auf den nuklearen Beistand der Bündnispartner in Washington, Paris, London angewiesen.
Die Antwort auf dieses Bangen erahnen wir alle an einem 23./24. August – und nicht nur an diesen symbolischen Tagen.

Ein weiteres aktuelles Beispiel wäre die Beteiligung der Lufthansa an der lettischen Airline airBaltic. Wird der bundesrepublikanische Flag Carrier den lettischen Kolleginnen und Kollegen die weitere Expansion des Streckennetzes und die Rettung versagen, um sie zu reinen Zubringerflügen für Frankfurt/Main und München zu zwingen? Zu Luftverkehrdrehkreuzen, von denen sehr schnell nach dem Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine wieder Interkontinentalflüge über den sibirischen Luftraum angeboten würden?

Während Polen – neben Italien und Griechenland – Reparationszahlungen der „Bundesrepublik“ als Rechtsnachfolgerin NS-Deutschlands ernsthaft ins Spiel bringt, hält sich das oft zu jeder Merkwürdigkeit befähigte politische Spektrum Lettlands seltsam zurück. Der 23./24. August 1939 böte zusammen mit 1941-1945 und der Shoah in Lettland dafür freilich einige Ansatzpunkte. Insbesondere für den Fall eines polnischen Erfolges in der Sache. Reparationsansprüche verjähren nie.
Wie sieht es also mit der Rettung von „airBaltic“ und „RailBaltica“ durch die „Bundesrepublik“ 2.026 mittels vollständiger Kostendeckung aus? 225 Mio. EUR zuzüglich 5-10 Mrd. EUR ergeben in der Summe eine ernstzunehmende Wiedergutmachung, die heute durch Berlin noch geleistet werden könnte.
An jedem 23./24. August sollte darüber gesprochen werden.

Die zentrale Lektion von 1939 muss aber sein, dass es Lettland nicht gut ergeht wenn die Deutschen gehen. Die historischen Deutschbalten vergeigten es selbst ab spätestens 1905. Die jetzt wieder in Lettland in substantieller Anzahl lebenden Deutschen, die „Neuen Deutschbalten“, sind jedoch im Jahr 2026 und fortan eine Garantie der staatlichen Unabhängigkeit – an der wir alle sehr interessiert sind.
Wir Deutschen in Lettland, als eine Minderheit unter vielen Minderheiten, wollen diese Republik und ihr Wohlergehen. Wir wollen eben keinen neuen Pakt zum Nachteil des Status Quo, an dem „Alaska“ recht nah vorbeischrammte. Und wir wollen kein übergriffiges Berliner Regime, das innenpolitisch dort um seine Legitimität kämpft, das im freien Lettland übergriffig wird.

Heute muss Lettland alle Kräfte auf die Verteidigung seiner Unabhängigkeit bündeln. 1939/1940 lehrt, dass niemand – auch die NATO mutmaßlich nicht – unserer Lieblingsostseerepublik und den beiden Nachbarrepubliken zur Hilfe käme. Diese „2. Republik“ braucht eine durchgängige Militarisierung, um die Selbstverteidigung glaubhaft, intelligent, innovativ darstellen zu können. Die „Bundesrepublik“ würde Lettland erneut verraten. Sei es aus eigenem Unvermögen. Lernen wir gemeinsam aus der Geschichte.



Von Bruck M. Kimmerle

Das erste Mal in den Baltics (Litauen) in 2003, seit 2006 geschäftlich und privat in Riga ansässig, seit 2007 Veranstalter, Organisator, Koordinator des Berliner Expertennetzwerks BALTISCHER DIALOG, seit 2024 Reaktivierung des länger als 2 Jahrzehnte bestehenden STAMMTISCH LETTLAND in Riga. Gott schütze Lettland!

Ein Gedanke zu „Der 23. August: Lektionen eines mahnenden Gedenktages“
  1. Nuklearer Beistand – ein cooles Wort!
    RUMMS!!! peng! puff!

    Ich glaube auch: Das einzige, womit die Bunte Wehr in Litauen auffällig werden könnte, ist schlechtes Benehmen. Wer schafft es denn heute noch mit Gepäck über die Sturmbahn? Östlich der Oder-Neiße-Friedensgrenze wohl kaum einer.
    Sie machen sich dort breit und dienen bestenfalls als Angriffsziel.

    1993 ein netter fließend deutsch sprechender älterer Herr im lettischen Bauministerium – folgender Gesprächsfetzen:
    „Da haben wir Deutschen Euch damals kräftig an die Russen verraten.“ – „Was, wieso?“ – „Ja, mit dem Hitlet-Stalin-Pakt!“ – „Neinnein, der Hitler ist doch davon ausgegangen, daß er sich im Krieg das alles wieder zurückholt.“ – „Na, das war doch aber unrealistisch!“ – „Nein …, nein …, so unrealistisch war das nicht …“
    War das ein einzelner Versprengter, oder gabs davon mehrere?

    In einer „GEO“ habe ich in den 90ern gelesen, daß ein englischer Diplomat in der Zwischenkriegszeit gesagt haben soll: „Die Esten sind die besten Ökonomen, die Letten die besten Politiker und die Litauer die besten Propheten.“

    Alle drei sind ganz kleine schwache Länder. Viel mehr als ein bißchen Zoll und Grenztruppe kriegen sie schon zahlenmäßig gar nicht hin. Allein um an der Grenze zu Rußland und Belarus alle 50m einen Posten im Vier-Brigade-Plan hinzustellen, bräuchte man 150.000 Leute. Offiziere, Köche, Chauffeure, … nicht eingerechnet. Und 1 Mann alle 50 m ist ein Witz!

    Die einzige Chance die sie haben: Gehirn anstrengen und Fresse halten. Pfiffig sein, Diplomatie, Geschäfte, linke Dinger, … mit jedem irgendwie ein bißchen was machen, aber niemanden heiraten.
    Und Kaja an die Bären verfüttern.

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