Fr. Jul 19th, 2024

Tagebuch einer Reise mit einem alten Mercedes über die Ukraine mit der Fähre von Odessa nach Georgien und zurück, Herbst 2016

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Vorbemerkung, die etwas melancholische Stimmung hat sich wegen einer traurigen Affäre ergeben, welche gerade zuende ging. Aber zur Zeit angesichts der Gesamtsituation auf der Erde erfasst mich eine ähnliche Stimmung.

1. Tag

Faktisch ohne Schlaf gestartet, in Litauen Kalvarija wieder etwas gegessen und dann sollte ich beim Biereinkauf meinen Pass vorweisen, sah wohl noch zu jung aus.

Hinter Augustow der klassische Polenritt, 160 km vor Lublin aufgegeben und im Auto unter einer Brücke übernachtet.

Als Bonus viele Mücken und die Fische springen.

Wie weit werde ich wohl noch kommen?

Es gab mal eine Fernsehserie „Der Sonne entgegen“ ich fahre eher dem Ende entgegen.

Der zusätzliche Schmerz ist einer gewissen medidativen Agonie gewichen, – was hätte alles sein können und diesmal nichts mehr wird, am Ende bleibt nur die Erschöpfung.

2. Tag

Die Grenze zur Ukraine nur auswärts auf 3 – 4 km Stau, ich war in ½ Std. durch.

Besonders interessant für die Zöllner war der Verbandskasten als Tasche hinten auf der Ablage, ich musste alles öffnen es gab sogar ein kleines Warndreieck darin.

Ich sagte dem Zöllner das wusste ich auch nicht, hätte zum erstenmal da reingeschaut, da mussten sie lachen, sahen meine Klamotten und meinten, „na viel Papyrosi rauchen“, grinsten gaben mir die Dokumente nachdem sie noch etwas über den alten Benz wissen wollten.

In der Ukraine fingen die Strassen ja wieder Erwarten gut an, bis Kovel, eine Stadt natürlich ohne Bücher, dann begann die üble Piste mit Superspurrillen das jedesmal die gefahr bestand das der Auspuff abreisst oder die Achse aufsetzt oder das Auto durchbricht beim nächsten übersehenen Schlagloch.

Polizei kaum zu sehen, das bedeutet keine Geschwindigkeitsbegrenzung, jeder fährt so schnell er kann, ja nach Auto und Strasse, in Ortschaften auch mal 120 und da kann es mitunter noch passieren das man überholt wird.

In Lusk dann auf dem Markt eine Suppe gegessen, grüne Sauerampfer die ich besonders mag, für ganze 25 Cent.

Bierpreise auch günstig ca. 50 Cent der Liter, Diesel etwas 65 Cent.

Stimmung eigentlich sehr gelassen und etwas anarchistisch, sehr sympathisch beim Strassenverkehr.

Das einzige Antiquariat auf dem Markt hat natürlich geschlossen, aber ein Blick durchs Fenster genügte mir auch.

Zigaretten ca. 50 Cent die Schachtel, Tomaten ein kleiner Beutel 20 Cent.

Militär bisher nicht zu sehen, kommt wohl hinter Odessa.

Viel LKW Verkehr besonders jetzt auch Getreide- und Rübenlaster von den grossen Agrarflächen im Grossraum Ternopil.

Voll im Autofahrmodus, wie in einem Computerspiel, bedarf absolute Konzentration da alles möglich ist hier beim Fahren in der Ukraine, besonders immer in den Rückspiegel schauen beim überholen, egal wie schnell man ist, es kann immer einer noch schneller sein.

Travellers in Nihilon with Obolon.

Es wird schnell dunkel, ab 19 Uhr sollte man spätestens einen Nachtplatz gefunden haben.

Ein wenig innere Ruhe kam erst zurück als ich die EU mit all ihrem vorausgeplanten Sicherheitsdünkel verlassen hatte.

3. Tag

Frühstück für 35 Cent, noch in der Ukraine, kurz vor der moldawischen Grenze.

Ein Tee und ein gefülltes Blini mit Frischkäse und Brot (frugales Leben).

Die Grenze ziemlich leer, dafür super umständlich mit Zetteln, Stempeln … dennoch nach ca. 1 Stunde gings weiter.

In Moldawien deutlich weniger Verkehr als in der Ukraine und deshalb etwas bessere Strassen.

Als erstes fiel die Elektrizität aus als ich in der Kleinstadt Lipcani ankam und Geld wechseln wollte, tja die Abhängigkeit von der Computertechnik hat sich auch schon bis hierhin ausgebreitet, aber man verwies mich an eine andere Wechselbude, welche hinten einen Generator am tuckern hatte.

Die Preise auf dem Markt noch etwas geringer als in der Ukraine, eine Tüte Tomaten 5 Cent, ein Brot 15 Cent, 250 gr. Schöner alter Brinza Käse 50 Cent, Honig ein kg ca. 2 EUR.

In der Bank viele Menschen welche Euro in Lei einwechseln, vermutlich alles Geld von den im Ausland arbeitenden moldawischen Verwandten.

Die Menschen bisher freundlicher und aufgeschlossener als in der Ukraine und auch neugieriger.

An der Grenze machte mein altes Auto Eindruck, nicht bei den Frauen die eher etwas angewidert in den mülligen chaotischen Kofferraum schauten und ihn schnell geschlossen haben wollten, aber bei den Männern, einer sagte, „yes, this is real Art drive with such a car“.

Dann bremst mich auf der Strasse ein Mann aus um über meinen alten Mercedes zu sprechen, er hat einen /8 und importiert alte Mercedes aus den USA nach Europa.

Die Tomaten sind jetzt wirklich herrlich mit richtigem Geschmack, wir begreifen gar nicht wie wir mit dem Supermarkttreibhausfood in der EU vergiftet und neutralisiert werden!

Chisinau eine protzige Stadt, eigentlich dachte ich dort für eine Nacht ein günstiges Hotel oder Hostel zu nehmen, aber irgendwie war da in der Nähe nichts, nur in einem Hinterhof für 40 EUR und dann noch ohne Frühstück, na da bleiben wir wohl eher beim Benzhotel.

Habe angesichts dieser auf supermodern getrimmten Stadt auch nicht nach einem Antiquariat gefragt, und siehe da, beim Herausfahren gabs eine kleine Altbüchermeile am Strassenrand.

Dann der erste Reifen geplatzt wegen einem Stück Blech auf der Strasse bei 120 km/h, ich hielt es für ein Stück Pappe.

Die Vulcaniseure dort haben nichts Brauchbares, wollten mir einen abgefahrenen Reifen montieren, haben ihn erst noch geflickt um dann festzustellen das ich 14 Zoll Reifen und nicht 15 Zoll brauche.

Meine langen Schrauben von den Alufelgen auf dem Reserverad der Stahlfelge haben eventuell meine Handbremse ruiniert, habe sie erstmal etwas mit der Flex gekürzt, mal sehen ob ich einen besseren Reifenhändler finde.

Jetzt auf einem Berg, der Mond rechts, die untergehende Sonne links und ich mittendrin.

Mein Russisch wird langsam geringfügig besser durch die tägliche Praxis.

Leider gibt es nirgendwo in Moldawien, wie früher in Rumänien oder besonders Bulgarien, die kleinen Grillstände am Strassenrand.

4. Tag

Die Nacht auf einer illegalen Müllkippe verbracht, erst morgens richtig erkannt, hatte mich abends schon über den schweligen Geruch gewundert.

Um 7 Uhr dann weiter, versucht das Reifenproblem zu lösen, aber nichts passendes aufzutreiben, also weiter ohne Reservereifen.

Dann eine Suppe in einem einfachen kleinen postsozialistischen Cafe als Frühstück gegessen und einen KAFEE anstelle des gewünschten Chaj bekommen, welchen ich seit fast dreissig Jahren nicht getrunken habe, aber egal, da sie immerhin verstanden hat das ich Milch und Zucker in meinem „Tee“ haben wollte also auch zu mir genommen. Dann weiter zur Grenze nach Basarabeasca.

Die kleinste und leerste die ich je gesehen habe.

Wieder in der Ukraine, habe ich auch verstanden warum, faktisch gab es auf 100 km keine wirkliche Strasse mehr, wie überhaupt eigentlich fast alle Strassen erledigt sind in der Ukraine. Strassenbau auch kaum noch zu bemerken im Gegensatz zu Moldaiwen wo allerdings auch die vielen EU Infrastruktursubventionsschilder erklären warum.

Natürlich brach dann auch der Auspuff, hat mich nur gewundert das es bei den „Strassen“ so lange gedauert hat. Nach langem Suchen in verschiedenen Orten dann endlich einen „ungefähr“ passenden Reifen gefunden, anstelle 185/70 halt 195/65 ist ca. derselbe Ducrhmesser.

Dann noch jemanden gefunden der nebenbei meinen Auspuff geschweisst hat, da die Bühne belegt war halt mit Wagenheber etwas angehoben und druntergelegt zum schweissen.

Preis 10 EUR für Reifen und wechseln und 5 EUR fürs Schweissen, eine Dose Rigaer Sprotten noch als Dankeschön für den Arbeiter.

Und weiter auf weiteren 100km zerstörten Strassen, sollten man unter Denkmalschutz stellen als Zeichen immerhin langlebiger Sowjet Qualitätsarbeit, da seitdem nichts daran gemacht wurde.

Für die jetzt wieder etwas imperialistischen Russen wäre da genügend Aufbauarbeit zu leisten, die Ukrainer kriegen das jedenfalls nicht aus eigener Kraft hin , seit ich 2008 zum erstenmal in der Ukraine war hat sich in der Infrastruktur praktisch nichts geändert, nur das alles noch abgerockter ist.

Endlich dann am schwarzen Meer angekommen, Steilküste aber mit Zugang zum Sandstrand, ein heftiger Wind tobt aus westlicher Richtung, schöne Wellen die einen weit treiben (Bodysurfing), besser sogar als in der Ostsee und das Wasser noch richtig warm.

Noch eine Zwiebel geschnorrt beim ukrainischen Camper da das Magazin im nahegelegen Dorf keine Frischware geführt hat, kauft halt keiner, hat jeder selber im Garten.

Später haben sie mich noch zum Schaschlik eingeladen wir kamen ins Gespräch.

Ein Mann, natürlich wie meist geschieden, mit älterem Sohn und Freundin und seiner 13 jährigen Tocher. Auf meine Frage ob sie nicht in Schule müssen sagten sie mir es sei ja Freitag und sie wären direkt nach der Schule fast 300 km bis zum Meer gefahren um bis Sonntag ein wenig zu entspannen. ich zeigte ihnen noch ein ganz einfaches Kartenspiel, sie sind verunsichert was die Situation betrifft, befürchten den anwachsenden Nationalismus und zeigen ein gewisses Verständniss für Russland.

Aus der Verunsicherung wächst aber nicht die Angst wie in der EU sondern das selbstbestimmte Handeln, das zu tun was man gerade für richtig hält und die Vorschriften zu ignorieren, der Platz am Meer war natürlich offiziell verboten zu betreten, ein rotes Schild wies darauf hin.

5. Tag

Auf nach Odessa, Ilyichevsk wegen der Fähre nach Georgien.

Auf dem Weg einen Lada überholt mit ukrainischem Kennzeichen und RU Aufkleber.

Terminal erst mal geschlossen, dann nach einer Stunde die Information heute fahren nur LKWs mit der Fähre, aber am Dienstag können auch Passagiere mit Privatautos mitfahren, also reserviert.

Aber man muss am Montag nochmal nachfragen wann die Fähre genau am Dienstag fahren wird.

Das Büro stark gesichert mit Mann und Pistole, als obs da was zu rauben gäbe.

Wegen komischen Geräusch beim Auto eine Werkstatt aufgesucht, ziemlich gross und modern, um mal auf der Bühne unters Auto zu schauen ob sich da Schrauben der Kardanwqelle gelöst haben, die haben gleich eine gesamte Inspektion gemacht und durch meinen Hinweis auch mal den Ölstand im Differential zu prüfen festgestellt das 1 ½ Liter fehlten.

Dann noch Radlager vorne nachgestellt, ein Gummi gewechselt und ca. 30 EUR gezahlt für fast 2 Std. Arbeit incl. Material alles mit ganz ordentlicher detailierter Quittung. Dann weiter zum alten Basar im Zentrum, Prevost, gefahren, da ich noch von früher wusste, da gab es fantastischen alten Ziegenkäse zu kaufen.

Erst da habe ich etwas unter die karte gerutscht einen fremden Autoschlüssel entdeckt, welchen die wohl in der Werkstatt vergessen hatten, die Dussel, weil sie unbedingt selber das Auto in die Werkstatt fahren mussten passierte halt sowas.

Zurückfahren wollte ich nicht durch die ganze Stadt, also einen Laden aufgesucht, Fotogeschäft, und versucht ihnen zu erklären mal die Telefonnummer auf der Quittung anzurufen damit die dann den Schlüssel im Laden abholen können.

Sehr misstrauisch beäugten mich Mann und Frau, da wegen meiner etwas angeranzten Klammotten vermutlich wie ein Penner aussah, der Mann griff dann aber zum Telefon um anzurufen, derweil die Frau auf russisch murmelte „eta iest provokacija“; also auch in Odessa eine gewisse Verunsicherung und Misstrauen, aber schliesslich war dann alles geklärt.

Auf dem Markt noch ein kleines Gericht gegessen für 1 EUR. meinen Schafskäse gekauft und noch ein paar kleine Dinge zum Essen.

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Dann aus Odessa raus weiter Richtung Osten, da waren dann auch die ersten Militärfahrzeuge zu sehen, unter anderem auch ein Pritschenlaster mit jungen Rekruten die in den Bürgerkrieg ziehen, es gibt auch reichlich Plakate in der Ukraine welche zum Eintritt in die Armee auffordern.

Später dann einen Platz am Meer gesucht ca. 70 km hinter Odessa Kurort Kobleve, also mitten in einer Urlaubsmeile gelandet, da es aber schon 18 Uhr war wollte ich nicht noch weitersuchen.

Also versucht für meinen Auto einen Stellplatz nah am Meer zu finden war ja nicht mehr soviel Betrieb zum Saisonende, vom ersten Platz vielleicht Privatgelände gleich unwirsch vertrieben worden, dann an einer anderenb Stelle das Auto geparkt und mich mit einem Mann im Fischladen mal zur Abwechslung etwas auf Englisch unterhalten. Dennoch als Schlafplatz unter Strassenlaterne eine Katastrophe.

Viele bestaunten mein Fahrzeug und dann noch mit jungen Leuten vom Bootsverleih ins Gespräch gekommen, die hatten ihr Auto gleich am Strand geparkt und ich sie gefragt ob ich mein Auto auch neben einem leeren Gebäude am Strand hinstellen kann, die haben mich natürlich gleich zum Wodka und Imbiss eingeladen und wir radebrechten noch so etwas über die Saison, das Leben und die Russen, einer kam von der Front und sagte etwas von den verrückten Nashi.

6. Tag

Morgens wurde ich von denen gleich zum Tee eingeladen, erst nochmal geschwommen und der Regen begann.

Dann hat einer mit mir über Mariuhana diskutiert, wie es in Lettland und Europa sei etc. und mich zu einem Wassereimer eingeladen.

Sie begannen alles einzuräumen da die Saison zuende war, einer kam nochmal zu mir und steckte mir eingewickelt in einen 1 Grivna Schein ein bisschen Dope zu und sagte „to karascho cilvek“.

Das alte Spiel, wenn man die Dinge aufgibt kommen sie von selber zu einem, wie oft habe ich das schon im Leben erlebt!

Selbst ein kümmerliches antiquarische Leben existiert in diesem Kurort Kobloleva, ob der Preis vor der Kiste mit Muscheln und der Kiste mit Büchern 5 Griwna für beide gleichermassen gilt, ich befürchte ja.

Die Krimküste ist teilweise am Horizont sichtbar, ein grosser Hubschrauber fliegt an der Ferne daran vorbei.

Abend komme ich noch ins Gespräch mit einem älteren Ukrainer und seiner Frau, der meinen alten Wagen bestaunt der einsam am Strand steht. Nach ihrem Spaziergang kommen sie zurück und besorgen ein paar Biere Marke Sonja und wir sitzen vor dem Auto auf dem Betonvorsprung, unterhalten uns über Krim, Ukraine ….

Er konnte sein Russisch an mein sehr schlechtes Verstehen gut anpassen, wie Normunds in Lettland und kannte auch ein paar deutsche Worte aus der Schule.

Interessant das in vielen ehemaligen Sowjetrepubliken Deutsch als erste Fremdsprache angeboten wurde.

Auch er meinte wie einige andere, das die Russen ruhig die Krim haben können, nur die Donez Sache sei nicht okay. Auch das Merkel da einen Kompromiss gesucht habe sei eine sehr schwache deutsche Einstellung.

Dann erzählte er mir noch das riesige Mengen von Brot von Odessa per Schiff nach Saudiarabien und Skandinavien exportiert werden.

Sie verliessen mich etwas besorgt, da ich alleine sei, das wäre gefärlich ich meinte, ach was, ich hab schon einen Riecher für die Stellen wo man über Nacht bleiben kann.

7. Tag

Die Dinge kommen und gehen, am Schluss ist immer alles weg, damit es wieder neu gebaut werden kann, auf einer weissen Fläche.

Morgens dann schon um 7 Uhr aufgebrochen um zurück nach Odessa zu fahren und zu klären wann genau am Dienstag die Fähre nach Batumi fahren wird.

Ein Mann der getrocknete und geräucherte Fische verkauft warnte mich am Tag davor vor der Polizei die am Kurort häufig Alkoholkontrollen machen würde, war mir auch ersichtlich nachdem ich in der Nacht davor und am Morgen die riesigen Mengen leerer Flaschen vorgefunden habe.

Er konnte für ukrainische Verhältnisse sehr gut Englisch, wir unterhielten uns über Familie, das Leben, Kinder und er meinte zu mir auch das seine verwandten auch vater und Mutter wenig bedeutung haben, da er das ganze Geschäft ohne deren Hilfe ganz allein aufgebaut habe, und zeigte mir auch Fotos von seinem Haus in bau.

Kurz vor Ende des Kurorts dann auch eine Polizeikontrolle, Papiere und Alkoholprobe, aber ich hatte abends zwar einige Biere und etwas Wein getrunken, wusste aber wie man etwas hyperventilierend zu blasen hat, so das Ergebniss 0,00 Promille war, was die Polizisten sichtlich enttäuscht hatte, da ich nach meinem Aussehen am frühen Morgen und einigen Nächten im Auto vielversprechender gewesen war.

Die Fähre natürlich nicht abfahrbereit zum Dienstag sondern auf Mittwoch früh um 3 Uhr die Abfahrt verlegt, na danke. Egal, Ticket gekauft, die Bank schlägt ohne vorher dafür auf der Webseite hingewiesen zu werden 2% Kommission auf und 1% bei Barzahlung.

Im Vorort von Odessa dann ein Hotel gesucht, das erste viel zu teuer mit über 50 EUR für eine Nacht excl. Frühstück, das zweite dann Hotel Mirniy Ressort, eine Mischung aus sozialistischem Relikt und teilmodernisiertem Innenausbau, 12 Stockwerke, jedes Zimmer mit Balkon, ich hatte sogar Blick aufs Meer, kostete 20 EUR die Nacht incl. Bewachtem Parkkplatz.

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Danach Zeit für Odessa, natürlich zu blöd gewesen und die Kamera in die rechte Aussentasche vom Jacket gesteckt, wie damals in Riga wo beim Bücken in die Daugava die andere verlorenging, so wurde diesmal die Kamera von dicht gedrängten Menschenmenge auf dem Markt geschluckt, was solls, am Schluss verliert man sowieso alles, auch die Bilder im Kopf.

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Ein starker Wind ist aufgekommen, schon der erste Herbststurm in Sicht?

Wie schnell so ein Sommer verschwindet, als wäre er nur eine Seifenblase gewesen, so kann man auch das Leben empfinden.

Zurück zu Odessa, das alte Hotel Passage hat auch schon seit 2 Jahren geschlossen, wo ich vor 11 Jahren mal übernachtet hatte (Hier ein Ausschnitt aus meinem Bericht  Odessa 2005:

Odessa, der Gipfel der Dekadenz.

Die Medaille hat 3 Seiten, Reich, Arm, und am Rand tanzen die ewigen Träumer, sie machen den Moment zum Kreis.

Kein vorwärts, kein zurück, jetzt werden wir angeln, vergessen den Köder und das Netz.

Die alte Frau in Rotkreuzschwesteruniform mit starrem Blick auf den berühmten Treppen von Odessa zum “More”, ein Symbol des Untergangs einer Illusion?

Am Zipfel von Odessa, ein alter Park, ausgetretene Spur neben dem Zaun zum Hafengelände, daneben ein Plastiksitz auf einer Holzpritsche schaukelt im Wind.

Ein Gitterkorb daneben, leer.

Wer mag hier den Sommer wie verbracht haben, der kalte Herbstwind nimmt zu, das Lager wird wohl leer bleiben.

Die Büsche rauschen und Hafenlichter glitzern, Schiffe wummern dumpf, die Zeit allein birgt keinen Sinn.

Über die flüchtigen Randerscheinungen des Lebens nachdenken, sie dienen nicht dem Verständniss, sie führen zur Verwirrung.

Ein Zwang ist jeder Weg, der durch die Zeit begrenzt sein Ende findet. Das Ziel mag man suchen.

Wohin? fragt man seit Anbeginn des Denkens.

Doch eigentlich möchte man keine endgültige Antwort.

Man möchte etwas suchen was als Ansporn nie verlorengeht, eine Illusion.

Zufriedenheit sucht den Schein in seiner Dauer, wenn da nicht der Tod wäre.

So flieht man von der Dauer zum Moment, wenn der mal nur Vergessen bringt.)

Das Foyer unten noch so wie früher mit der Rezeption aber ohne Schlüssel, es muss jetzt Platz machen für die üblichen Einheitsboutiquen, wie der ganze Kern der Altstadt.

Die Aufschriften der geleckten Läden meist auf amerikanisch, und all die vielen „Irish Pubs“, genauso wie in Riga oder in einer sonstwo gottverschissenen Grossstadt. Gute Nacht Individualismus und Verschiedenheit. Das ist ja noch schlimmer als im Sozialismus, da haben sich die einzelnen Republiken noch in den Geschäften, Cafes und Restaurants unterschieden.

Die alten Gebäude wurden entkernt und bis zur unansehlichen Sterilität renoviert, – alles ohne Stil nur Massenbefriedigung für die creme de la creme, ich verachte diese Art von Zukunft!

Abends noch zwei kinderlose Frauen im Alter von 35 getroffen, Ingenieue für Möbelbau in Kiew, die Urlaub machen in Odessa.

Ich sass in einer netten kleinen Trinkerbude (halber Liter Fassbier ca. 70 Cent) nahe meines Hotels und sie waren mit einem ziemlich betrunkenen Mann am diskutieren über Europa, Ukraine, Geschichte, Hitler und Deutschland, habe ein kleines russisches Kommentar abgegeben und schon waren wir im Gespräch über Geschichte etc..

Da die Bude schliessen wollte und der Mann zu laut waren, machten wir uns auf den Weg ins Hotel, Tatjana konnte relativ gut Englisch lena ziemlich schlecht. Die Bar im Hotel wollte auch bald schliessen, also wir nahmen wir dort noch einen Drink und Tatjana füllte aus einer Flasche Wein in ihrem Rucksack gemütlich nach, später setzten wir uns ins Foyer und ich brachte noch etwas Bier aus dem Auto, Lena hatte noch etwas Schaschlik im Rucksack vom verregneten Strandtag.

Sie erzählten mir das sie damals enthusiastisch auf dem Majdan am demonstrieren waren, die sogenannte orangene Revolution, sie sind beide muttersprachlich russisch haben aber eine starke proukrainische und proeuropäische Einstellung. Besonders Tatjana war erschrocken darüber das ich einige Ukrainer getroffen hatte, die den Verlust der Krim nicht nur hinnehmen sondern auch aktzeptieren und begann deshalb mir auf Papier in russisch einige Notizen dazu zu machen, um ihre mehr nationalistische Position zu erklären, Lena hingegen versuchte Tatjana zu besänftigen und meinte sie teile deren Nationalismus nicht.

Hier die übersetzten Notizen:

„Wir sind Tatyana und Lena

Wir trafen uns mit Michael in Odessa. Wir sind aus Kiev.

Wir wollen nicht das Michael denkt, das Ukraine eine zweite Sorte Land ist.

Wir entwickelten Land, und wir haben eine Menge von kompetenten und erfahrenen Menschen.

Wir lieben Ukraine.

Wir haben zurzeit ein Liter Wein getrunken, und können jetzt sagen was wir denken.

Nein, mich noch niemand in meinem Glauben beeinträchtigen.

In der Maydanzeit, wir glaubten das alles wird sich ändern.

Menschen auf dem Maydan waren aufrichtig und sie glaubten an Veränderung.

Uns hat niemand bezahlt dafür. Das kann Ich bestätigen.

Warum beachtet man nicht Vereinbarung in Budapest, das Memorandum?

Oder zählt das alles nicht ?

Ukraine hat ihre Waffen vernichtet im Austausch für den Schutz des Landes.

Russland, USA und England haben das unterschrieben.

Helfen sie uns.

Jeden Tag sterben in unserem Land freiwilligen Patrioten.

Wer wird die Agression von Russland gegen die Ukraine stoppen, Aggression welche NATO und Un-Beobachter nicht sehen?

Slawa Ukraine“

8. Tag (21.9.20016)

Odessa unter Wasser, ein langanhaltender Regensturm hat gestern Abend begonnen und dauert an, Herbst total bei 11 Grad.

Das Hotel (Mirny Ressort) ziemlich leer, allein im grossen Saal ein Omlett am frühstücken während eine Putzfrau einsam den Boden wischt. Fähre fährt natürlich heute auch nicht wie geplant, sondern Morgen gegen 10 Uhr sollte man am Terminal sein. Also noch ein bisschen mit der Strassenbahn durch Odessa gefahren.

9. Tag

Odysee im schwarzen Meer , eine Fährfahrt von Odessa nach Batumi

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Ich denke an Ovid und Metamorphosen, denn die Fährfahrt geht erstmal nach Constanza zum Auftanken des Schiffes, – ja mehr nicht, dafür fährt das Schiff mit voller Ladung und etwa 100 Passagieren einfach mal 16 Stunden in entgegengesetzte Richtung des eigentlichen Ziels Batumi, da der Reeder so viel Geld einsparen kann, in der Ukraine kostet tanken dreimal soviel für die ukrainische Fährgesellschaft, obwohl das Schiff unter litauischer Flagge fährt (DFDS Klaipeda), da die ukrainischen Gesetze auch Steuern von diesen Schiffen verlangen, wenn sie für eine ukrainische Gesellschaft fahren.

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Heute morgen kurz vor 10 Uhr am Terminal zur Abfertigung eingefunden, ja, gleich würde der Zoll bereit sein sagte man mir.

So gegen 12.30 öffnete sich endlich das Tor zum Zoll, insgesamt 5 Stellen sind zu besuchen, Stempel auf einem Papier zu sammeln, wie in sowjetischer Zeit wenn man den eisernen Vorhang übertreten wollte.

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Um ca. 17 Uhr dann endlich auf dem Schiff, aber das Auto noch vor dem Schiff, da bis zum letzten Meter geladen wurde, nur passte ein LKW nicht, was eigentlich offensichtlich war, nach vergeblichem Versuch fing man an dann umzupacken, einen Hänger ab, damit der lange Laster noch reinpasste und quetschte dann noch die wenigen PKW zwischen die Lücken. Gegen 20 Uhr dann nach endlosem sinnlosen Warten, auf was auch immer, die Abfahrt.

Der Dispatcher meinte, ungefähr 10 Stunden nach Constanza, dort auftanken ca. 5 bis maximal 9 Stunden und dann volle Kraft nach Batumi, na, nach den vorhergehenden Ereignissen hatte ich an diesem Plan, wonach die Fähre am Freitag nachmittag in Batumi ankommen sollte, auch erhebliche Zweifel.

Immerhin war die Verpflegung an Bord im Preis mit einbegriffen, also für Passagiere ohne Fahrzeug durchaus günstig, auch Fahrräder kosten keinen Aufpreis.

An der Rezeption ganz freundliche Menschen, so konnte ich eine Kabine für mich alleine bekommen. Das Abendessen wurde auf Tischen bereitgestellt jeder bekam einen Platz für die Zeit der Überfahrt zugewiesen, es gab Huhn mit Nudeln und einer Tomaten – Auberginensauce.

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Getränke an Bord ziemlich teuer in der Bar, ein Bier 3 Dollar, gut das ich als alter Reisehase mir immer einen eigenen Biervorrat sicherheitshalber mit an Bord nehme, zwei Deutsche und ein Österreicher waren nicht so erfahren und somit etwas trockengelegt., da sie nicht ihre Reisekasse sprengen wollten, – hab Ihnen aber mitleidig etwas von meinem Bier abgegeben.

Auch ein Aserbaidschaner sass mit uns zusammen, ich habe ihm schon nachmittags etwas Wein und guten alten Schafskäse vom Odessa Markt angeboten, da wir ja seit 10 Uhr nichts zu essen hatten.

An Bord übrigen auch zwei LKWs mit quiekenden Schweinen, wie die wohl die lange Reise vertragen werden?

Eine der beiden deutschen jungen Frauen hat vor kurzem ihr freiwilliges jahr in Georgien absolviert ein wenig die georgische Sprache erlernt, und war vom Land so fasziniert, das sie jetzt mit ihrer Freundin auf Wandertour dorthin unterwegs ist.

10. Tag

Am Mittwoch den 22.9 dann gegen 10 Uhr Constanza in Sicht, also nix mit 10 Stunden, und ich dachte mir das meine erste Schätzung der Ankunft, Samstag den 26. so gegen Mittag, wohl noch zu optimistisch war.

Seit zwei Stunden liegt das Schiff vor dem Hafen auf Anker, und natürlich passiert erstmal nichts, rumänisch – ukrainische Koordination.

Ein Tankschiff hat dann nach 3 Stunden neben der Fähre angelegt und begann über 500000 LITER Schweröl zu bunkern.

Auch ein Engländer ist an Bord, der vor kurzem seinen Führerschein in England verloren hat, und somit auch seine Arbeit und für die nächste Zeit auf Reisen geht, egal wohin.

Der zweite Offizier fragte mich nachmittags,

„na, wie geht’s?“

„Ja, gut, habe Zeit zum schreiben.“

„Weisst du das heute, 22. September, Tag und Nacht genau gleich lang sind?“

„Nein.“

„Das ist ein mystischer Tag, wo man alles ins Gleichgewicht bringen kann, aber nicht auf einmal mit einem Ruck, sondern langsam Stück um Stück innerhalb der nächsten drei Wochen.

Wenn ich eure Autos, den nagelneuen Mercedes vom reichen Ukrainer, deinen alten Mercedes daneben, den Georgier mit schwarzen Audi und den Aserbaidschaner mit dem Presse Aufkleber und euch alle zusammen vor dem Schiff am unterhalten sah, dachte ich an Märchen, weisse Schneekönigin, der Froschkönig, der Teufel und der Clown.

Dies ist ein Narrenschiff!“

Später musste der erste LKW Fahrer das Schiff mit dem ablegenden Tankschiff nach Constanza verlassen, da er vermutlich schwere gesundheitliche Probleme hatte.

11. Tag

Ein wenig Wind ist aufgekommen und der Himmel teils in stärkeren Grautönen, das Schiff schwingt ganz sanft ein wenig vor sich hin, gerne hätte ich noch einen richtigen Sturm, aber man kann ja nicht alles haben, schon eine verlängerte Fährfahrt und dann auch noch Sturm als Doppelbonus, warum kann man eigentlich nicht alles haben?

Nur weil die Lebenszeit dafür zu kurz ist, und die Wünsche zu vielfältig, teils widersprüchlich und zu umfangreich sind, vielleicht ist es nur eine Frage der richtigen Organisation?

An Bord haben wir Verstecken gespielt, alle werden wieder zu Kindern.

12. Tag

Das Schiff schwingt nun gemütlich hin und her, es war ein Schlaf wie in der Wiegenzeit, ganz in sich selbst versunken werden die Gedanken immer stiller. Und wieder die alte Geschichte, als die ersten Berge vom Kaukasus am Horizont auftauchen verdunkelt sich der Himmel und ein Sturm kommt auf, erst gestern hatte ich den Wunsch aufgegeben auf der Schiffsreise noch einen Sturm zu bekommen, jetzt ist er da. Die Dinge kommen von selbst wenn man sie nicht mehr erzwingen will.

Zwar sagte man an der Rezeption man würde heute abend noch in den Hafen einlaufen und hat schon nachmittags die Pässe herausgegeben, aber ich hab mir schon ein Bier aufgemacht da ich ahnte das der Hafen gesperrt sein wird, und richtig, wir kreisen vor Batumi auf dem offenen Meer und werden eine weitere Nacht an Bord verbringen.

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13. Tag

Die Sinflut kommt mit Blitz und Donner.

Nochmal Frühstück und das Schiff bewegt sich jetzt zielstrebig Batumi, dem Hafen entgegen.

Grauumwallt die Berge es sieht so aus als hätte der Sommer mich endgültig verlassen.

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Batumi ist auf den ersten Blick nicht so spannend, auch der Markt ist im Vergleich zu Liepaja z.B. eher schwach, aber interessanterweise wird dort Tabak in verschiedenen Sorten aus Säcken, fertig fermentiert, verkauft, 100 gr. ca. 3 EUR, gibt’s wahrscheinlich im Inland auch billiger.

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Vorbeigehend an einer offenen Garage wo einige Männer bei Wein und georgischem Imbiss sassen, wurde ich gleich eingeladen, so sassen wir dann dort und radebrechten etwas auf Russisch und tranken Wein aus einem halben Liter Glass. Die Unterkünfte relativ teuer ca. 20 EUR für eine Nacht in einem nackten Zimmer ohne jeglichen Komfort. Dann habe ich mit Chris, einem Engländer der auf der Fähre „zugestiegen“ war, entschieden noch die Stadt zu verlassen und die Nebenstrecke nach Akhaltsikhe mit dem 2000 m Pass zu nehmen, wie sich später herausstellte eine sehr unkluge Entscheidung.

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Dann abends in Kuhlo angehalten und eine alte Seilbahn entdeckt sowie sogar eine Tourismusinformation. Seilbahn muss, sein, das war uns klar, also eine Unterkunft in einem kleinen Berghotel gesucht. Dann war es leider schon zu spät für die Seilbahn, also ein Fläschchen Kognak gekauft und uns im Hotelcafe gemütlich gemacht, dort noch Jonatan, einen deutschen Rucksacktouristen getroffen. Getränke mitbringen kein Problem, habe dann aber aus Anstand noch zwei Bier gekauft.

14. Tag

Morgens dann gleich zur Seilbahnstation, Jonatan kam auch mit da er gestern selbst tagsüber es nicht geschafft hat die Betreiber zu überzeugen das er auch mal mitfahren möchte, in einer halben Stunde solls losgehen, also noch ein spartanisches Frühstück zu mir genommen und dann mit einigen Leuten in die alte schöne Seilbahn gestiegen. Die sah genauso aus wie ich als Kind mal geschenkt bekam zum spielen in den 70er Jahren.

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Hatte mir noch ein Bier mitgenommen, für die 10 minütige Fahrt in eine Richtung. Sie verbindet die Stadt mit einem Bergdorf auf der anderen Seite des Flusses zu welchem man sonst nur über einen ca. 30km langen Umweg gelangen könnte. Kostet 1 Lari hin und rück.

Danach entschieden weiterzufahren nun zu dritt da auch Jonatan Richtung Tiblissi wollte, nach ca. 20 km begann sich die Strasse sich aufzulösen,

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was zu einer Schrittgeschwindigkeit über Geröll und Schlamm führte, deshalb ich mir aus Gnatz eine Flasche Wein geöffnet hatte, nachdem ich einmal im Schlamm steckengeblieben war und einer uns rausziehen musste, sowie 2 Paar Schuhe im Schlamm verloren.

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Weiter gings bis zum Pass, dort noch etwas nachgetankt um dann endlich wieder eine Teerstrasse zu finden.

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In Akhaltsikhe dann ein kleines altes Hotel gefunden, beim rangieren noch eine kleine Delle reingefahren und dann kam die Polizei nachdem ich aber schon lange nicht mehr im Auto sass und behauptete ich sei betrunken gefahren. Nun, nach meiner Rechtsauffasung gilt das nur wenn man mich auch beim Fahren tatsächlich anhält und eine Blutprobe macht. Einen Alkoholtest habe ich verweigert, ebenso das Protokoll zu unterschreiben. Die Polizei hat dann mein Auto beschlagnahmt sowie den Führerschein. Später im Hotel erklärte mir der 59 Jahre alte Mitbetreiber, ich hätte gar nicht mehr in die Nähe vom Auto gehen sollen, und auch keine Papiere herausgeben.

Abends wurde mir dann klar das ich in einer Polzeihauptstadt gelandet bin, die neuésten Streifenwagen fahren in Unmengen durch die Stadt mit Dauerblaulicht, halten diverse Fahrzeuge an, abends sind fast mehr Streifenwagen als Privatfahrzeuge.

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15. Tag

Auf der Polizeiwache am nächsten Morgen mit dem älteren Mann, dort kann keiner irgendweine Fremdsprache, was erstaunlich ist da ja unglaubliche Investitionen in Polzeigebäude und Fahrzeuge gemacht werden, nur für die Ausbildung fehlte dann wahrscheinlich das Geld, Hauptsache Neuware gekauft. Ich sollte das Protokoll unterschreiben, wo ich mich angesichts der Rechtslage natürlich weiterhin geweigert habe. Also zurück in die Stadt, die dt. Botschaft in Tiflis kontaktiert, welche am nächsten Morgen dort anrufen wollte.

Die Stadt sehr durchwachsen, neben den neuen Bank- und Polizeigebäuden und dem gestylten Hotel Lomsla alles weitgehend im Zerfall durchsetzt von Pseudo Teilrenovierungen.

Abends noch die alte Festung besichtigt, welche mit immensen Mitteln renoviert und neuaufgebaut wurde. Mir fehlt noch völlig das Gefühl für das Land, ist jedenfalls sehr nationalistisch eingestellt, und haufenweise Bullen in neuen protzigen Streifenwagen mit Dauerblaulicht die Stadt wie Rowdys durchkämmend. Die Strassenköter belagern die Mülleimer und pflücken geschickt die Plastiktüten heraus, verteilen sie auf dem Bürgersetig um sich dann an den Resten zu laben.

16. Tag

Morgens nochmal mit der Botschaft telefoniert, sie empfahlen mir einerseits nicht zu unterschreiben und einen Anwalt heranzuziehen, allerdings kann so ein Prozess einige Wochen dauern und der Ausgang ist eher ungewiss. Die Polizei weigerte sich Auskünfte gegenüber der Botschaft zu erteilen. Also bin ich wieder zur Polizeistation und die haben dann immerhin eine Dolmetscherin organisiert mit welcher ich dann den Fall dem stellvertretenden Direktor dargelegt habe. Ich fragte ihn ob er denn mal die Videoaufzeichnung der Streifenpolizei bei meinem Fahrzeug angeschaut hätte, nein das könne er erst nach meinem offiziellen Einspruch , welcher nach 10 Werktagen bearbeitet würde. Danach würde dann ein Gericht darüber entscheiden, oder ich zahle 700 Lari ungefähr 300 Dollar in die Polizeibank ein, mit Quittung, unterschreibe das Protokoll und dann bekomme ich Fahrzeug und Führerschein wieder, ansonsten könnte es mit einem 6 monatigen Fahrverbot und derselben Strafe bei Gericht enden, auch die ältere Dolmetscherin welche übrigens gut deutsch sprach bestätigte mir das bei Gericht es im Regelfall gegen Ausländer und auch im allgemeinen schlecht ausgeht wenn gegen Behörden Einspruch erhoben wird, ein Deutscher hat vor einigen Jahren 3000 Dollar Strafe zahlen müssen, weil er einen Hustensaft ins Land gebracht hat, der dort als Droge definiert war. Also in den sauren Apfel gebissen, die 270 EUR gezahlt und mit den Bullen zu meinem Auto gefahren, Batterie war natürlich leer da ein Elektroaggregat noch eingeschaltet war. Danach einen alten Auspuffrest auf dem Schrott gesucht um ihn dann einem Schweisser zum drankleben zu geben. Der Kollege stellte selber Baggerschaffeln her da die neuen zu teuer sind. Auf dem Rückweg zum Hotel natürlich hat mich gleich wieder eine Patroille angehalten Alkoholprobe gemacht und wollte meine Papiere sehen, hab ich nicht, sind im Hotel ausserdem solltet ihr mich ja wohl langsam kennen. Und schon wurde es wieder dunkel.

17. Tag

Morgens dann endlich die verschissene Stadt verlassen, auf dem Weg war dann glatt ein Sicherheitspolizist mit 3 Sternen und ein anderer Mann am trampen, na ich wollte mal nicht zu nachtragend sein und hab sie mitgenommen, unterwegs hat er noch von einem anderen Polizisten ein Dokument übernommen und musste mich dann noch unbedingt zu sich nach Hause zum Mittagessen einladen.

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Ein relativ neues Haus mit Garten und drei nicht so wirklich fahrbereiten Fahrzeugen, die Ausstattung im Haus ziemlich karg für europäische Verhältnisse obwohl er bestimmt zu gehobeneren Mittelschicht gehört. Ein einsamer kleiner Metallofen im Wohnzimmer welcher für den Winter genügen muss, das Holz zu kaufen kostet ihn etwa 300 Dollar im Jahr da in der Region wegen der Höhe Holz schon relativ knapp ist.

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Er wird auch einen Gasanschluss zum Heizen anlegen, dann zahlt er nur ca. 10 EUR monatlich Pauschale.

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Er hat 3 junge Kinder, das Obergeschoss wird wohl kaum genutzt. Noch einen Ausflug nach Vardzia der Höhlenstadt gemacht, aber wegen zuviel Touristen mich mit einem fernen Foto begnügt und lieber versucht mit dem Auto auf die andere Seite des Flusses zu gelangen um die Reste der alten Festung an der Seidenstrasse (Tmogvi) über einen Stein-Feldweg zu erklimmen, ein paar Russen mit Jeeps staunten später und meinten sie selbst hätten mit ihren Jeeps Mühen gehabt da hochzukommen, wie ich überhaupt mit meinem alten Benz das schaffen konnte, – tja …

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Danach weiter an die armenische Grenze – super Tristesse, ein in den 80er jahren gebauter Bahnhof ohne Anschluss, viel Bautätigkeit ob Rück – oder Aufbau, wie immer in Georgien sehr zweifelhaft.

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Überall hat man angefangen abzureissen oder aufzubauen und ist weder mit dem einem oder dem anderen fertig geworden.

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Kurz vor der Dämmerung einen sehr schönen Platz in der Hochebene am zweiten grossen See gefunden, der „kleine“ Kaukasus im Blick mit Schnee fast schon an den See.

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18. Tag

Am frühen Morgen bestaunt wie die Sonne die schneebedeckten Gipfel des Kaukasus begann zu beleuchten, es war immer noch ziemlich kalt, musste mich ca. auf 1000m Höhe befinden, also weiter Richtung Tiflis.

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Die Strassen erstaunlich gut mit nur wenigen kurzen schlechten Einlagen, meist in den fast völlig verödeten und zerstörten Bergdörfern, wo das einzige Einkommen wohl der Verkauf von Schafen und Kuhmilch ist.

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Später habe ich erfahren das das im wesentlichen von Griechen besiedelte Dörfer waren, die alle ausgewandert sind und jetzt verlassen auch die restlichen Armenier die Einöden, wie überall auf der Erde wie Motten zieht alles zum kapitalistischen Fegefeuer um sich in den Städten zu verdingen und zu verbrennen.

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Tiflis wie jede Grosstadt ziemlich stark befahren und etwas unübersichtlich, aber auch ohne GPS oder sonstigem Elektrospielzeug den Weg zur Kaukasischen Post gefunden, dabei ist fast mein Auto in den Fluss gerollt als ich einen Polizisten nach der Richtung fragte, beide haben wir den gerade noch zum Stehen gebracht. Ein anders Auto wurde leicht gestreift, der Fahrer hielt kurz, schaute, und winkte ab, war nur ein unbedeutender Kratzer. Dann Rainer Kaufmann getroffen den Herausgeber der deutschsprachigen Zeitung „Kaukasische Post“ welcher gleichzeitig auch in der Barnov Strasse ein kleines Hotel und Restaurant  betreibt.

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Dort habe ich mich dann für die nächsten Tage einquartiert, die Zimmer sind ruhig zum Innenhof gelegen, deutsche und moderne georgische Küche zu zivilen Preisen.

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Abends haben wir dann über das Los der kleinen deutschsprachigen Zeitungen in Osteuropa diskutiert und über wirtschaftliche Chancen/Projekte/Varianten nachgedacht.

Am Nachmittag noch die Tifliser Staatsuniversität besucht um eventuell in der religösen oder philosopischen Fakultät einen Wissenschaftler zu finden der sich mit dem Zarathustrakult beschäftigt hat. Sehr enttäuschend, erstmal konnte kaum einer Englisch sprechen, der Dekan der Humanwissenschaften konnte etwas deutsch, meinte nachdem ich ihm erklärt habe was mich interessiert und woran ich arbeite, sehr interessant, aber die philosophische Fakultät wurde aufgelöst und in die Humanwissenschaften integriert und vegetiert dort auf einem Schulniveau vor sich hin.

Dann versuchte die Universitätsbibliothek ausfindig zu machen, sie liegt am Stadtrand und ist gleichzeitig auch parlamentarische Bibliothek. Ein hässliches Betonebäude im postsowjetischen Zerfall innen wie aussen.

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Immerhin konnte eine Angestellte gefunden werden die Deutsch sprach und wir haben über den Reservebestand von alten deutschen Büchern gesprochen. Sie will mit dem Direktor sprechen und sich bei mir am Montag per Mail melden.

19. Tag

Heute den Trödelmarkt in Tiflis aufgesucht, sogar ein richtiges Buchantiquariat in der Nähe gefunden, aber das Material müde und wie z.B. in Kiew überteuert.

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Danach ein wenig in der Stadt planlos spazierengegangen und einen kleinen Markt entdeckt, wo es glatt noch Schaschlick draussen auf Holzkohle gegrillt im Angebot gab, Preis ca. 1,20 EUR und dann an einem gemütlich kuriosen Trinkerunterstand ein Bier für 60 Cent den halben Liter getrunken, also hier schon fast wieder ukrainische Preise und auch Riga kann die Preise lange nicht mehr unterbieten.

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Wie in Dagestan kamen die Gläser aus dem Tiefkühlschrank mit ca. -18 Grad und rauhreifbeschlagen, um dann direkt mit dem kühlen Nass gefüllt zu werden, bei ca. 24 Grad immer noch sehr erfrischend.

Morgens noch einen Schuhmacher gefunden der meine alten Sandalen für 2 Euro per Hand genäht hat.

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Abends noch zu einem Festessen im kleinen Hotel mit eingeladen worden und mich mit dem deutschen zweiten Redakteur der kaukasischen Post unterhalten, welcher wieder mal kurz davor ist das Handtuch zu schmeissen, da neben seinem Privathaus ein 7 Stockwerke hoher Block gebaut wird und dabei gleichzeitig Teile seines Grundstückes streitig gemacht werden, da seine Umgrenzungsmauer eingerissen wurde ….

20. Tag

Der grosse Markt/Bazar in Tiflis liegt etwas ab vom Zentrum hinter einer neuen Vorzeigefussgängerzone in der Nähe des Bahnhofs und des Stadions.

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Er ist seltsam verstreut, erstreckt sich an den Strassenrändern, unsortiert, nicht wie in Riga oder Odessa, wo es Milchhallen, Fleisch-, Gewürz-, und Fischhallen gibt, kunterbunt gestreut inhaltlich die Stände. Die zweite offene Schaschlikgrillstelle ist qualitativ besser als die vom letzten Tag, da das Fleisch zarter war, vermutlich besser eingelegt, dazu gab es eine interessante grüne Gewürzsauce anstelle des sonst üblichen Ketchups.

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Die Preise auf dem Markt entsprechen im grossen und ganzen den europäischen Preisen für Lebensmittel, wenn man mal von Saisonfrüchten absieht.

Ein Ei kostet 10 Cent, ein kg Fleisch 4-6 EUR … (siehe Fotos)

Sitzend bei einem Bier betrachte ich mir das kuriose Geschehen vor einem Goldgeschäft.

Davor sitzen und stehen Verkäuferinnen von Klamotten, eine fegt ganz ordentlich immer den kleinen Umkreis sauber was ein Hohn ist angesichts des Mülls überall.

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Dann kommt ein Sicherheitsmann aus dem Laden und vertreibt die Frauen, als er wieder ins Geschäft geht stehen die Frauen wieder an den alten Plätzen vor dem Geschäft und nach 15 bis 20 min. wiederholt sich wieder die Szenerie und wenn sie nicht gestorben sind so wandeln sie noch heute dort hin und her.

Ein alter Händler mit DVD Filmkassetten kommt mit mir ins Gespräch , überraschenderweise kann er etwas Englisch, von Musikstücken habe er es gelernt.

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Er meint das Übel am heutigen System und der politischen Lage sei Amerika, es habe unter demokratischem Vorwand und vorsätzlichen Lügen die Länder Irak, Lybien und Syrien in den Bürgerkrieg gestürzt und destabilisiert. Er ist ersichtlich kein Nationalist obwohl bekennender Georgier, aber früher als Sowjetrepublik ging es den einfachen Menschen (also der grossen Masse) besser als heute unter der Unabhängigkeit. Und wenn Russland oder die Türkei sich Teile von Georgien aneignen wollen, wer sollte da den Georgiern Beistand leisten, in die EU würden sie sowieso nie kommen.

21. Tag

Die sowjetische Ruinenstadt Tschiatura mit den unzähligen Seilbahnen besucht, erinnert irgendwie an einen grotesken dystopischen Retro Sience Fiction, erstaunlich das sich noch viele der Seilbahnen bewegen.

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Aber was soll aus solchen Städten in der Zukunft werden? Kurorte, Freizeitparks? Da wird’s dann wohl an der technischen Sicherheitsphobie scheitern.

Es ist jetzt noch erstaunlich warm , abends um 19 Uhr ca. 24 Grad.

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Auf dem Markt in Echere eine 1 ½ l Flasche selbstgemachten Kognak für 3 EUR gekauft, die kostet fast genausoviel wie ein grosser Beutel Bier.

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Der See hinter Tqibuli, müllig wie vieles hier in Georgien, ein starker Wind weht von Osten.

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22. Tag

Jetzt in Kutaisi, die Sonne brennt schon wieder ganz gut.

Einen alten Georgier beim Trampen mitgenommen der vor 30 Jahren in Omsk gearbeitet hat.

Geschichten und Geschichte, ich lass mich einfach auf der Strasse treiben und komme sogar zufällig in die Richtung die ich mal grob anvisiert habe, trotz russischer Karte, georgischen und lateinischen Ortsnamen.

Omlett mit Tee, Milch und Brot 3,30 EUR, das war verdammt teuer in Kutaisi.

Richtung Grenze zu Abchasien vorher noch eine Nebenstrecke ans Meer gemacht, eine seltsame Landschaft, fast sumpfig, sehr grün mit tropischem Einschlag und dazwischen Haine mit Palmen, kleine Auen in den Wäldern, es muss viel geregnet haben letztens.

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Vor Alaknia ans Meer gelangt, der letzte Sturm hat den ganzen Zivilisationsmüll an Land gespült und DAFÜR machen sich die Menschen zum Lohn- und Arbeitssklaven, verdammt und verflucht sei dieses System der unbegrenzten Vermehrung.

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Dahinter ein Süsswassersee und reichlich Brombeeren.

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Und am Abend noch ein Picknick auf Strandmüllmöbeln.

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23. Tag

Dieser Tag verspricht heiß zu werden, ich fahre zu dem geplanten neuen grossen Hafen in Alaknia, den nicht enden wollenden menschlichen Grössenwahn architektonisch perfektioniert, eine grossartige Allee mit schon fertigem Empfangsgebäude mitten ins Niemandsland gesetzt, ohne Strassenanschluss nur Rumpelpfade, man könnte aber stundenlang auf der Allee hoch und runterfahren da schon zwei Kreisel da sind.

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Nach ca. 2 km dann ein Prachthotel am Meer mit Yachthafen wo einsam ein Boot für immer wohl rumdümpelt, da der Yachthafen keinen Anschluss ans Meer oder an den Fluss hat, – ein Spielzeugboot in einer Badewanne.

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Grosse Freizeitanlage mit gigantischer Fussgängerbrücke, alles in Bau, fast fertig , ungenutzt und schon wieder im Abbruch begriffen.

Saison auch nur 3 Monate das Hotel Goldenes Vlies schliesst morgen, in der Nebensaison wollen sie für ein Zimmer immer noch stolze 50 EUR haben, möchte nicht wissen wieviel in der Hauptsaison. Die Zukunft vorweggenommen und schon morbide Vergangenheit.

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Mal wieder eine Auspuffhalterung geschweisst gegen den fairen Tausch einer Dose Sprotten aus Riga.

24. Tag

Dann aufgrund der Empfehlung von Rainer nochmal einen Ausflug in die Berge gemacht, nach Mestia, mitunter folgt man besser nicht den Ratschlägen im Detail.

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Die Bergstrasse ganz hübsch am Gebirgsfluss entlang, aber Mestia selber eine Touristenhochburg von Backpackern und Radlern.

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Dort hat man auch in fast einen immer noch im Bau befindlichen Flughafen welcher Tiflis und Batumi bedient.

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Unterwegs zwei typisch alte schwarzgekleidete Frauen beim Trampen mitgenommen., die wollten mir glatt in Mestia JE 2 EUR geben für lächerliche knapp 40 km.

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Nein danke, aber so schlecht scheints denen in Georgien doch nicht zu gehen, in Lettland wäre so ein Angebot jedenfalls nicht gekommen.

In Becho wollte ich mir einen Nachtplatz suchen abgelegen vom touristischen Mestia.

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Dort haben mich ein paar um die 30 Jahre alten Georgier zum Eimerrauchen eingeladen man nennt es auch “Burbulator”.

Der eine, Gio, lebt eigentlich in Tiflis, nur jetzt im Herbst hilft er seinem Vater bei der Ernte und Wintervorbereitung.

Ich habe das Gefühl das die Erde bebt, Berge haben immer etwas bedrohliches an sich.

Ein Schwein geht im Kreis um mich herum zum Fluss.

Wenn ein Schwein um einen im Kreis geht, was mag das wohl bedeuten?

Der Gipfel des Ushba bei Becho rot umkränzt mit etwas Schnee bedeckt.

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Die Steine auf der Mauer am kleinen Gebirgsfluss noch warm von starken Sonne, selbst in Mestia auf ca. 1500 m Höhe waren es noch ca. 25 Grad am Nachmittag.

Wie alles mal begann, dazu ein anderes Mal, eigentlich hat es nie begonnen.

Ich werde immer müder, beim Dunkelwerden schlaf ich ein, in der Morgendämmerung wach ich auf.

Der seltsame Berg mit dem Gesicht des Satans und Gottvaters in einem!

Der Dämon, umwölkt die Stirn, der grauweisse Bart wie zerupfte Tropfen, auf der rechten Seite wie ein Schulterstreifen in weiss.

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Das erinnert mich sehr an die eine Nacht in Luzna im Zelt, dann die Donnerstimme wie von einem Gott „Du Arschloch!“ Zuerst war ich damals erschrocken, dann dachte ich mir aber wenn er sich so über mich aufregt kann ich ja nicht so machtlos sein.

Und hier schaut mich gleich Teufel und Gott in einem an!

Als wenn diese Teufel-Gott Mischung mir sagen will:

„Überdenke was du schreibst!“

Die Metamorphosen, jetzt kommt ein Wolfsgesicht durch.

Und dann wieder bleibt der Gottteufel und scheint mir sagen zu wollen:

„Du schreibst dich womöglich um Kopf und Kragen!“

Vielleicht bin ich ein Schamane, irgendwie passieren einige, erstmal seltsam bedrohlich wirkende Situationen, führen man dann zu inneren Erlebnisse und lassen mich verschieden Menschen treffen.

Ansatzweise beginne ich zu verstehen das ich eine Wirkung auf Menschen ausstrahle, die darauf mitunter spontan reagieren.

Aber bitte nicht esoterisch verstehen, auch wenn ich das Wort Schamane in den Mund nehme, so drückt das nur die Fähigkeit aus, durch mein intensives philosophisches Nachdenken über das Leben und Dasein der Dinge, psychologisches Einfühlungsvermögen bekommen zu haben und somit auch eine Austrahlung/Aura, was eben durch die Tiefe entstehen konnte.

Jetzt sieht der Gottteufel aus wie eine Meerjungfrau mit Schwanz am Ende.

Wenn man alle Menschen aufwecken könnte das sie verstehen welchen Unsinn sie mit ihrer Gesellschaft und Zivilisation betreiben, was dann?

24. Tag

Auf dem Rückweg zum Meer wieder eine schwarze Frau, sie hat anscheinend vor der Hängebrücke auf mich gewartet, ihre Hausschuhe vor der Brücke abgestellt und die Ausgehschuhe angezogen.

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Zufälle?

Dann den Ölhafen besichtigt und eine kaum befahrbare „Abkürzung“ nach Poti ausprobiert, armes Auto, der Auspuff fiel völlig runter, hab ihn dann mühsam noch an einem Gummi befestigt, später konnte ich auch nur Draht drumwickeln lassen, da es einfache Auspuffgummis hier anscheinend nicht gibt. Nach der „Reperatur“ in der Wildniss, umgeben von seltsamen wie Kackerlacken aussehenden Insekten, noch im eiskalten Gletscherwasserfluss gebadet, seltsam fremde Gegend.

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So wie in Dagestan auch hier die gleichen Motive, Kühe am Meer.

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Poti, wie auch fast alles in Georgien, widersprüchlich, vor allem architektonisch.

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Dann ein kleines Haff vom Wald aus gesehen, hier hätte man stehenbleiben können, aber ich liebe mehr das offene Meer.

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Tropische Schwüle hier bei Poti dafür angenehm in der Abendsonne am Strand zu liegen.

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Heute früh wars in den Bergen noch ganz schön kalt.

Die Sonne rast geradezu hinab ins Meer.

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25. Tag

Die Stimme des Nachtvogels hallt über die graue neblige Ebene des Meeres.

Dichter Frühnebel bedeckt das Land und düstere Wellen schwappen auf.

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Der kleine Strassenköter von gestern ist wieder da und meint mein Auto bewachen zu müssen, dafür bekam er auch ein Bier und etwas Fischreste.

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Jetzt ist die Sonne wieder ganz auf der Höhe und ich bin unschlüssig wie es wohin weitergeht.

In Batumi gefragt wegen Fähre, selber Preis 300 und 115 Dollar für die Passage nach Odessa. Vermutlich den Weg nehmen, sonst krepiert mein alter Benz vermutlich in der Türkei, alles klappert rasselt und vibriert, bedarf einer Generalüberholung.

Georgisch – türkische Grenze wenig Betrieb in einer Stunde wär man durch. Na noch überlegen solange es warm bleibt bleib ich noch am Meer.

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Ein schwarzer Hubschrauber flog ca. 20 m von dem Cafe an der Küste wo ich abends sass vorbei, was das sollte?

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26. Tag

Sommerhitze noch einmal am Meer.

In Kobuleti einem auch zur Sowjetzeit bekanntem Kurort, der zur Hälfte aus Überresten sozialistischer Einrichtungen zu bestehen scheint etwas längere Pause gemacht.

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Ein Morgenspaziergang viele alte Männer machen halbherzig langsam Pseudofrühsport.

Eine Hotelruine mit Besiedlungsspuren.

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Im Cafe und Restaurant am Meer wird russische Musik gespielt für eine Altweibersommer Hochzeitsnacht dazu türkischer Instrumentalmusik und georgischen Einlagen. Da werden es die islamischen Türken als Nachbarn schwer haben gegen anzustinken.

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Irgendwo verläuft die Grenze zwischen Islam und Christentum quer durch den Kaukasus, und doch wird das alles in den nächsten Jahrzehnten unbedeutend, angesichts der globalen Konsumprägung und damit einhergehenden Hörigkeit.

Ich sitze in der untergehenden Abendsonne am Meer, unberührt wie der Betrachter nach Aristoteles, der durch Denken und Leben den Punkt ausserhalb der Gesellschaft gefunden hat, um diese auszuhebeln aus ihren verlogenen Grundbestandteilen.

Aber die Fliegen können hier genauso beissen wie im Baltikum.

27. Tag

Wolken kommen auf, es wird wohl Zeit für eine Veränderung, vermutlich erstmal genug des sich treiben lassen. Kann halt nie lange an einem Punkt verweilen, liegt in der Sache selbst, da das Leben ständiger Wandel ist und nur wir Menschen meinen es einzwängen zu müssen in sturen Gewohnheiten, Tagesabläufen, Jahresplänen.

Die Menschen meinen das Leben dazu noch konservieren zu können, bewahren, halten, alles blasse Illusion und ich werde tatkräftig daran arbeiten diese vorgeschobenen Fassaden zu zerstören, eben durch mein Denken, Schreiben und Reisen.

Noch ein wenig die Motorhalterung am alten Benz geprüft und nachziehen müssen, klappert aber immer noch wie ein Pferd vor dem Abdecker.

Am weiten Meeresstrand, die Wellen beginnen ein wenig aggressiv zu wirken.

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Ein älterer Kuhhirte wandert am Strand entlang und sammelt irgendwas Kleines, erst dachte ich es wären Haselnüsse, aber die waren eigentlich alle hohl, ohne Nusskern, dann später als er verschwand schaute ich mir die Stelle am Wurzelstock an wo er nach dem Sammeln sich längere Zeit aufhielt, – es waren Walnüsse welche er auf seinem Wurzelstock mit Steinen geknackt hat und ass.

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Später auch ein paar gesammelt und geknackt, ja, da konnte das Meer trotz dem durchdringenden Salz gegen die Nussschale nicht allzuviel ausrichten, sie schmeckten eben immer noch wie Walnüsse nur etwas ranzig und muffig.

Dies war wie viele meiner Fahrten keine touristische Urlaubsreise, sondern eine Exkursion tief ins fremde und eigene Leben. Zeit sein Wissen und seine Erfahrung einer praktischen Prüfung zu unterziehen, auch wenn ich denke ich bin am Ende meiner Reise könnte alles noch ganz anders kommen.

28. Tag

So ist es, heute sollte eigentlich die Fähre von Poti nach Odessa gehen, laut Fahrplan gestern, aber in Wirklichkeit vielleicht morgen da mal wieder der Hafen gesperrt ist, obwohl kein Wind weht, irgendwie haben die auf dieser Linie eine Sturmparanoia.

Es regnet und ist kühl geworden, macht nichts, werde nachher noch einen Nachmittag am Meer verbringen und schauen welche Gedanken ich noch fangen und bündeln kann.

Wieder einen Strassenhund als Geier und Wachservice bekommen am Meer, er versuchte auch Kühe in der Ferne zu vertreiben, also mein etwas karges Mahl geteilt mit einem Schluck Bier für den Hund zum spülen. Schöne kräftige Wellen die richtig treiben, aber es wird schon kühler, Wasser und Luft.

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29. Tag

Um 8 Uhr tiefer Nebel alles klamm und sehr schöne Wellen, also gleich nochmal rein ins kühle, – eben nicht, Nass, das Meer war richtig warm, ich wollte gar nicht mehr raus. Später dann nach Poti gefahren Agentur noch geschlossen aber das Schiff fährt schon in den Hafen ein, also wird wohl Tag der Abreise werden. Auf dem Markt noch Kognak probiert und gekauft, schön ölig, fast wie der gute damals aus Inguschetien. Diesmal wieder ein teures Omlett mit Salat und Tee für fast 4 EUR gespeist, da war mein Stammkaffe in Kobuleti deutlich günstiger mit ca. 75 Cent. Dann die Info um 4 Uhr an der Hafeneinfahrt zu sein, die Sicherheitsleute meinte 5 Uhr nachmittags, also nochmal in Poti an den Stadtstrand gefahren und ein letztes Bad in der verklingenden Mittagssommerhitze genommen.

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Die Schmetterlinge fliegen in der warmen Spätsommerluft umher, zwei gelbe „per aspera ad astram“, und die letzten Grillen zirpen noch zum Abschied bis in den späten Abend als das Schiff ablegt.

Mit einem Ukrainer an Bord etwas ins Gespräch gekommen über Russland etc. er denkt Russland wird zerfallen aber meint auch da könnte der Wunsch der Vater des Gedankens sein. Auf meine Frage wie die Resonanz für den propagierten Eintritt in die ukrainische Armee sei, meinte er doch es kommen viele Junge aus den Dörfern da das Minimumgehalt jetzt in der Armee für einfache Rekruten bei 400 Dollar liegt. Aber wöchentlich sterben auch einige Soldaten an der Donezfront. Falk ein Deutscher ist mit mir auf der Kabine, er kommt allein von einer 2 einhalb monatigen Asientour mit seinem Mitsubishi zurück.

30. Tag

Wellen sind aufgekommen und das Schiff schaukelt schön vor sich hin.

Das Essen wird an Bord hier immer miserabeler und das Brot immer trockener.

Heute morgen mich wieder etwas mit dem Ukrainer unterhalten der auch Englisch kann.

Das Donezgebiet würde immer mehr verlassen von den Menschen, in beide Richtungen und die Russen hätten schon mehr als 10 Fabriken demontiert und nach Russland gebracht.

Es gäbe dort auch neben der Front Grenzübergangspunkte, aber dort würde meist schon ab 10 Uhr abends Ausgangssperre herrschen.

Das Mittagessen war wieder etwas besser.

Die Küste der Krim ist gut sichtbar und der Wind wird stärker.

Der Hafen in Odessa ist natürlich wieder geschlossen, also noch einen schönen Tag auf See mehr zu erwarten.

Jetzt ankern wir vor Odessa im Wind.

Eine kuriose Täuschung, ich schaute aus dem Fenster raus und sah das die anderen Schiffe hinter uns blieben und die Stadt näher kam, also doch wieder am Fahren, – Irrglaube wir drehen uns nur hin und her im Wind, wie die Grasshalme am baltischen Strand die Halbkreise in den Sand zeichnen.

31.Tag

Am späten Vormittag werden die Anker gelichtet, es weht immer noch ein starker Wind aber der Hafen ist geöffnet.

Die junge Zöllnerin in Tschernomorske bei Odessa verdient 3000 Griwna im Monat also umgerechnet 110 EUR und hofft wie viele auf ein besseres Leben, hat minimal Englisch gelernt und freut sich es mal praktizieren zu können. Ansonsten der Zoll und die Abwicklung an der Grenze ist wie das praktische Erleben einer kafkaesken Erzählung, man könnte es glatt als touristische Attraktion anbieten, man wird hin- und hergeschickt, von Zollbude zu Zollbude für Stempel und Zettel, dann fehlt wieder der Stempel, dann will man den besorgen, die anderen sagen man braucht ihn nicht, Papiere teils in 6 facher Ausführung, Daten werden zigmal in verschiedene Computer eingehackt, … so geht das stundenlang, betreut von einem Agenten der Fährlinie der Nerven wie ein Elefant haben muss. Dann noch eine Nacht in Odessa verbracht um am nächsten Morgen auf dem Prevost Basar ein paar ukrainische kulinarische Spezialitäten einzu kaufen, Speck, hartgetrocknete Salami und vor allem den guten bis zu 3 Jahre gereiften Schafskäse.

32. Tag

Aufbruch von Odessa.

Das Wort Butterbrot im Russischen aus dem Deutschen übernommen wird mittlerweile auch vom amerikanisch- englischen Sandwich verdrängt, nur auf dem flächenmässig grössten Flohmarkt in Odessa hört man es mitunter noch von den älteren fliegenden Verkäuferinnen, welche selbsgebastelte Butterbrote anbieten.

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Dort werden allerdings auch immer mehr gebrauchte Klamotten angeboten und immer weniger interessantes Material.

Dann die Autobahn Richtung Kiew genommen, am Rand sieht mitunter Ladas mit Kanistern zum privaten Sprithandel stehen. Wie ich mir schon dachte, gute Strassen – viele Bullen, so nochmal 50 EUR losgeworden in Ulman, diesmal ohne Quittung, wegen zu schnell fahren, also danach die gute Strasse verlassen und den kürzeren aber bedeutend schlechteren Weg nach Lvov gewählt, dafür konnte man da dann wieder voll Rohr heizen ohne sich über irgendwelche uniformierten Strassenräuber Gedanken zu machen.

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Überall findet man grosse Plakate zum Eintritt in die ukrainische Befreiungsarmee.

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Daneben immer noch die sowjetischen Befreiungsdenkmale.

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Die Kälte hat jetzt auch hier richtig Einzug gehalten, das es bei fast 0 Grad noch nicht schneit ist auch alles. Alles grau, nachts gab es schon leichte Minusgrade.

Ist okay so, ich wollte auch keinen Herbst, sondern direkt vom Sommer in den Winter fallen.

Viel der russischen Musik wird immer noch im Radio gehört, bestenfalls etwas ins ukrainische übertragen.

33. Tag

In Lvov gestoppt, kalt wie im Januar oder Februar, aber Tische und Stühle mit Sonmnenschirmen noch draussen vor den Cafes, als wenn man den Sommer noch mal einfangen möchte. Und massenweise Rekruten die in die Armee gehen.

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Danach aus der Stadt kaum rausgefunden, Strassensperrung, Umleitung ohne Hinweise und den unvollständigen Ring in die falsche Richtung gefahren, war zu grau um noch einen Orientierungssinn anhand der Sonnen auszumachen.

Dann die eine Grenze zu Polen Rawa Ruska, völlig überfüllt, die Miliz rät mir weiter südlich hin zu fahren, dort auch eine grosse Schlange aber in der Ferne immerhin das Zollgebäude in Sicht.

Irgendwelche Militärs verteilen kleine Zettel mit Nummern, da ich neben der Schlange stehe nicht an mich, ich wollte mich erst mal über die Situation erkunden. Die stehen auch schon 2 Stunden und sind gerade mal 50 m weitergekommen, also fahr ich neben der Schlange bis nach vorne und nutze die Gelegenheit in die Lücke zu schlüpfen als einer beim anfahren schläft. Derweil Armeeleute an den warteneden Wagen mit einer grossen Plexiglaskiste vorbeigehen und für den ukrainischen vaterländischen Krieg Spenden sammeln. Der Posten fragt mich nach einem Zettel, hab keinen bekommen sag ich, auch egal, bekomme den nächsten Zettel und werde weiter durchgewunken, dann wieder das spazieren von Bude zu Bude um Stempel zu sammelnder ganze Schwachsinn der sich selbst regeln wollenden Menschheit und die Polen blockieren die Grenze anscheinend noch umständlicher als die Ukrainer.

Das Differential grummelt schon ziemlich besorgnisserregend, nur bei 130 km/h ist es noch halbwegs ruhig. Abends im Wald einen Platz gefunden, Frost kam auf und der Vollmond in ganzer Pracht ergiesst sich übers Land.

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Für mache ist Reisen einfach etwas Neues zu sehen, Länder wie Souvenirs sammeln.

Für mich ist Reisen etwas existenzielleres, das tiefe Eintauchen in die Momente der veränderten Fremde, dann gibt es nur mich und die Situation, davor, danach und dazwischen NICHTS!

34. Tag

Wieder mal durch Polen reiten, unzählige Laster versperren den Weg so das ich nur selten 130 fahren kann und alles vibriert und dröhnt.

Einen Geflügellaster überholt mit übereinandergepressten lebenden Tieren, Zuchtmaterial gequält und geschunden für die Scheissmasse wovon am Schluss noch die Hälfte wegen Überkauf aus den Kühlschränken entsorgt werden muss.

In Litauen fällt dann auch die Bremse weitgehend aus, also einige Kreuzungen verpasst, aber bei wenig Verkehr und vorausschauendem Fahren kann man wieder 130 fahren.

Still wird’s in Litauen und Lettland.

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