Di.. Feb. 24th, 2026
Der STAMMTISCH LETTLAND organisiert "Binge Watching" in Riga: "Soviet Jeans" (Lettland 2024, OmU DE)

Wer braucht noch „lineares Fernsehen“ oder teures Kino – wenn „Streaming“ endlose Unterhaltung auf den Bildschirm bringt. Gemeinsam mit Lettlands Kult-Gastonomie „Ezītis migla“, der größten Pub-Kette unserer Ostsee-Republik, steigt der STAMMTISCH LETTLAND mit einer Exkursion in das Zeitalter des „Binge Watching“ ein. Des ununterbrochenen, mehrere Stunden dauernden, Schauens kompletter Staffeln von Videoserien. Nicht irgendeiner Serie.
Mit „Soviet Jeans“ (Lettland 2024, Original mit deutschen Untertiteln) nimmt man sich die preisgekrönten 8 Episoden der 1. Staffel vor. In der „Bundesrepublik“ wird sie seit dem Jahr 2025 von ARTE gestreamt. Hurtig, bevor die schon in Produktion befindliche 2. Staffel rauskommt.
Wer macht mit?

„Ezītis migla“ (Igel im Nebel) war eine sowjetische Cartoon-Fernsehproduktion – nach dem abenteuerlustigen Stacheltier sind die Kneipen benannt

Wikipedia fasst die Handlung der 1. Staffel von „Soviet Jeans“ zusammen, ohne die Spannung des stundenlangen Video-Streams zu zerstören: „Renars arbeitet 1979 als Kostümbildner an einem Theater in Riga. Von dem Sowjet-Regime fühlt er sich unterdrückt und interessiert sich für westliche Musik und Kultur. Seine Arbeitsstätte nutzt er, um Jeans für den Schwarzmarkt herzustellen. Nachdem er sich in die finnische Regisseurin Tina verliebt, wird er weniger vorsichtig und singt ein beleidigendes Lied über Maris, seinen KGB-Agenten. An dem Ort waren Mikrofone versteckt und Maris sorgt dafür, dass Renars in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Dort beginnt er zusammen mit Mitinsassen heimlich Jeans zu nähen, die der westlichen Marke Levis ähnlich und unter der lettischen Bevölkerung sehr beliebt sind. Das ruft wiederum die Aufmerksamkeit des KGB hervor und Maris Suche nach Renars Jeansproduktion beginnt.“

Allerdings geht es in der spannenden, sehr humorvollen – und dennoch irgendwie dramatisch-historischen – Serie nur vordergründig um „Jeans“. Die 8 Episoden der 1. Staffel, jede bis zu knapp 60 Minuten lang, sind ein Monument des Freiheitswillens der Lettinnen und Letten in den späten 1970er Jahren.

Die Serie ist Fiktion. Die Handlung hätte sich aber so ereignen können. Denn eine kleine nordeuropäische Nation, mit starkem deutschbaltischem Erbe, geriet nur sehr widerwillig hinter den „Eisernen Vorhang“. Sie wollte immer Teil des Westens sein. Mit Jeans oder ohne.
Ungeachtet der Kollaboration vieler Sowjet-Letten. Ein leicht seniler Kommunismus-Schurke heißt in der 1. Staffel im Übrigen Kaņepes und leitet eine Kulturinstitution unweit der Skolas iela, das Rigaer „Dailes teātris“.
Zufällige Namensähnlichkeiten mit heute lebenden „Progressiven“ wären natürlich nur rein zufällig.
So viel Zufall des eiskalten lettischen Humors.

Der Kommunismus und die sowjetische Besatzung fielen in der wahren Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die 2. Staffel soll im Übrigen, so vernimmt man, 1989 kurz vor dem Ende der Berliner Mauer spielen.
Die Lektion von „Soviet Jeans“ ist daher auch eher: Jeans, westlicher Lebensstil, lettischer Freiheitswille und kreative Subversion sind stärker als selbst die Rote Armee, der Sozialismus, Kommunismus, jedwede Ideologie, als Kollaboration mit einem Unrechtsregime. Lesson learned.
Eine weltweite Botschaft aus Riga, bei der die eine oder andere Rigaer Botschaft aus dem deutschsprachigen Raum Westeuropas im Jahr 2026 nervös zucken mag.
Doch die Liebe siegt. Immer. Überall.

Am 1. März 2026 (2 Jahre nach Erstaufführung in Riga) streamen STAMMTISCH LETTLAND und „Baznīcas Ezītis migla“ gemeinsam „Soviet Jeans“

Selbstverständlich darf nach dem „Binge Watching“ am Sonntag auch gesamteuropäisch geknutscht werden. Das wäre mit Sicherheit im Sinne der Macherinnen und Macher von „Soviet Jeans“.
Denn das sind die wahren Heldinnen und Helden dieses 1. März in Riga. Im freien Lettland.
Der Kuss der Freiheit.

Von Bruck M. Kimmerle

Das erste Mal in den Baltics (Litauen) in 2003, seit 2006 geschäftlich und privat in Riga ansässig, seit 2007 Veranstalter, Organisator, Koordinator des Berliner Expertennetzwerks BALTISCHER DIALOG, seit 2024 Reaktivierung des länger als 2 Jahrzehnte bestehenden STAMMTISCH LETTLAND in Riga. Gott schütze Lettland!

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