Wegen den in den letzten Jahren sehr milden Wintern im Baltikum wurde seit 2022 kein Budget mehr für die Ausschilderung und Begrenzung der Eisstrassen in Estland zur Verfügung gestellt.
Zum letzten Mal wurden offiziell alle7 Eisstrassen vom estnischen Festland zu verschiedenen Inseln im Winter 2011 zugelassen. Zuletzt 2019 die Strecke die Haapsalu–Noarootsi.
https://news.err.ee/1609910554/ice-roads-will-not-open-this-year-says-transport-administration
Am 1. Februar 2026 wurde inoffiziell ein Eisweg zwischen Rohuküla und der Insel Vormsi von zahlreichen Autofahrern genutzt. Ein Weg welcher offizell nicht vom Estnischen Transportministerium zugelassen wurde und völlig auf eigene Gefahr und eigenes Risiko von zahlreichen lokalen Einheimischen genutzt wurde. Interessant ist das auch der Bürgermeister von Vormsi, Maris Jõgeva, diesen Weg genutzt hat, mit der Begründung:
„Auf einer kleinen Insel herrscht großes Vertrauen in der Gemeinschaft. Und wenn bekannt ist, dass es Wege gibt, dass sie fest sind, sprechen die Leute miteinander, und diejenigen mit mehr Erfahrung wissen, dass es sicher ist, dann gibt es keine Angst mehr. Wir sind gerade von einem Fußballturnier mit meinem Kind zurückgekommen, das wir mit der Fähre nicht erreicht hätten.“
Da die Verkehrsverwaltung keine Mittel für Eisstrassen hat, sucht Haapsalu gemeinsam mit der Gemeinde Lääne-Nigula nach einem privaten Betreiber, der bereit wäre, eine Eisstrasse instand zu halten.
Interessant ist das in einem relativ jungen EU Staat, wo die Bürokratie und der Sicherheitswahn wilde Blüten treibt, es zivile Eigenmächtigkeit gibt, welche bisher anscheinend auch nicht geahndet wird
Rechtlich ist die Sachlage mehr als fraglich:
Verstoß gegen das Verkehrsrecht: Nach dem estnischen Road Traffic Act ist das Fahren auf Eisflächen, die nicht als offizielle Straßen ausgewiesen sind, untersagt. Zudem besteht ein gesetzliches Verbot, Kraftfahrzeuge innerhalb von 200 Metern zur Küstenlinie zu führen, ausser auf dafür vorgesehenen Straßen.
Verstöße gegen allgemeine Verkehrsregeln werden in Estland auf Basis von „Fine Units“ berechnet. Ein Verstoß gegen das Befahrungsverbot von gesperrten oder nicht ausgewiesenen Wegen kann Bußgelder bis zu 1.200 Euro (entspricht 300 Fine Units) nach sich ziehen.
Haftung und Versicherung: Dies ist der kritischste Punkt. Kfz-Versicherungen und Mietwagen-Anbieter schließen die Haftung für Schäden, die auf inoffiziellen Eisstrassen entstehen, in der Regel kategorisch aus. Sollte ein Fahrzeug einbrechen, trägt der Fahrer die vollen Kosten für die Bergung und den Totalverlust des Fahrzeugs selbst.
https://news.err.ee/1609929062/locals-using-unofficial-ice-roads-in-western-estonia
Es gibt folgend nun die Anregung estnische Eisstrassen als UNESCO Kulturerbe zu definieren:
https://news.err.ee/1609929416/alexander-lott-let-us-add-vainameri-ice-roads-to-unesco-heritage-list
Nun scheint sich aber aufgrund regionaler Initiative etwas zu bewegen, spätestens ab 7. Februar soll die erste Eisstrasse zwischen Saarema und Hijuma offizell in Betrieb genommen werden.
https://news.err.ee/1609931738/ice-road-between-saaremaa-and-hiiumaa-to-open-in-coming-days
Vorschriften zum Befahren:
https://www.transpordiamet.ee/en/roads-waterways-airspace/road-maintenance/ice-roads
Es ist interessant wie aus einem aktiven zivilen Ungehorsam wieder etwas offziell möglich gemacht wird.
Historisch vielleicht noch als Anmerkung:
Um 1800 soll es so kalte Winter gegeben haben das die gesamte Ostsee bis zu 2 Monaten total zugefroren war, sodas man sogar Poststationen auf dem Eis errichtete.