Johannes Scheer einer der letzten Universalgelehrten hat 1874 in seinem ersten Band, Menschliche Tragikomödie, einige treffende Bemerkungen, auch was den derzeitigen Zustand der menschlichen Gesellschaft auf der Erde betrifft, abgegeben.
„Recht muss doch recht bleiben! Leider ist dieses bis zur äußersten Fadenscheinigkeit abgegriffene Sprichwort gerade so leer und verlogen wie 100 andere Sprichwörter, welche jedermann im Munde führt und an die niemand glaubt. So oft und wo immer die Gewalt eine recht gewalttätige, sank das Recht vor ihr in den Staub. Die ganze Weltgeschichte ist nur eine fortgesetzte Durchlöcherung und Vertretung des papierenden Rechtsbodens. Der Sieg schrieb allzeit das Gesetz und wird es allzeit schreiben. Vae victis (Wehe den Verlierern) ist das furchtbare Schicksalsverdikt, gegen welches schon unzählige Appellationen eingelegt wurden, aber noch keine gefruchtet hat, denn was will es bedeuten, wenn gegenüber den vor den Altären des Götzen Erfolg knienden Millionen dann und wann ein einsamer Mann und Denker in seiner Dachstube oder im Kerker oder auf dem Schafott oder im Exil gegen diesen Götzendienst protestiert.„
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„Der Siegeslorbeer verhüllt alle Brandmarkungsmale auf den Stirnen gekrönter Räuberhauptleute. So war es immer und so wird es immer sein.„
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„Dem Aberwitz wohnt eine dämonische Macht und Gewalt inne, gegen welche mit Vernunftgründen gerade so wenig an und aufzukommen ist wie mit papierenden Menschenrechten gegen wohlbediente Kanonen und rücksichtslos gehandhabte Bajonette.„
„Das Dämonische ist immer ehrlich, – ehrlich wie die abgeschossene Kanonenkugel.„
„Fein organisierte Nasen wollen schon den wiederaufdampfenden Ketzerbrandgeruch riechen. Ihr lacht? Wenn ihr lange lebt dürftet ihr Ursache zum Weinen haben. Alles schon da gewesen, ist ein gutes Wort, aber ein nicht minder gutes ist: Alles kommt wieder.
Könnte die weltgeschichtliche Prozedur in ihrem circulo vitioso, in ihrem vermaledeiten Kreislaufe nicht wieder einmal, recht bald sogar wiederum an der Stelle anlangen wo die Torquemada und Arbues hunderte, tausende von gebratenen lieben Mitmenschen ihrem Herrgott Zebaoth zu Opfern darbrachten? Ihr sagt: Das ist unmöglich, rein unmöglich. Warum? Ihr solltet doch nachgerade gelernt haben, dass die heilige Dummheit unsterblich ist und das ist keinen alten, älteren und ältesten Unsinn oder Gräuel gibt, welcher unter Umständen nicht wieder neu werden kann, neu werden muss, weil eben die heilige Dummheit das gebieterisch verlangt.“
„Wie in solchen Lagen allzeit und überall zu geschehen pflegt, so gab sich auch damals unter der Bevölkerung des Osmanenreiches das Gefühl kund: schlechter kann es nicht mehr gehen, es muss also besser werden der uralte und ewigejunge Wiegensingsang, womit Menschen und Völker sich einlullen. Die grüne Hoffnungsfeder, welche die Leute aufblasen in die Luft und der sie dann mit kindischer Zuversicht nachlaufen, bis sie unversehens in ihre Gräber hinabtorkeln.“
