Do.. Apr. 3rd, 2025
Mariupol Eisenbahn

7. Okt.

An der alten russisch – ukrainischen Grenze ein Militär Kontrollpunkt, sie schauten sich unsere Pässe an und fragten was wir sind (Touristen „natürlich“), woher und wohin (Lettland – Taganrog – Krim, Jalta), und dann konnten wir weiterfahren.

An der Frontlinie von 2014 sahen wir ein völlig zerstörtes Dorf, Shyrokyne, dort standen an verschiedenen Häusern auch Warnungen vor Minen. Trotzdem haben wir ein paar Weintrauben gepflückt.

Siehe dazu auch mein Video: https://youtu.be/LB6qX8TxDXI

Wir nahmen auf dem Weg eine Tramperin mit, es stellte sich heraus dass sie eine Ukrainerin war, ich fragte sie ob sie sich denn diskriminiert fühlen würde, das bejahte sie etwas schüchtern.

Auf meine Frage ob die Diskriminierung so schlimm sein wie die Russen in der Ukraine diskriminiert werden, meinte sie vermutlich hier nicht so hart, aber dennoch, auf beiden Seiten die gleiche Tendenz.

Mariupol, wie Dresden 1945

Dann weiter nach Mariupol, wie Dresden nach dem Bombenangriff völlig zerstört, parallel dazu die intensiven Reparatur- und Baumaßnahmen um einige Gebäude wieder herzustellen.

Der Bahnhof ein einziges Trümmerfeld, hier eine kleine Sammlung der aktuellen Bilder aus der Stadt:

siehe dazu auch mein Video unter:

https://youtu.be/zVq51JdYSKE

Kein Hotel, ein Restaurant wo wir etwas assen übrigens dieselbe Art grusinisches Schaschlik wie ich es auch in Odessa gegessen habe. Die Kellnerin sehr freundlich und geduldig erklärte uns was es an Auswahl zu essen gab. Dann stellte ich fest, dass sie auch englisch sprach und verstand, und wir kamen weiter ins Gespräch. Sie war Ukrainerin und meinte jetzt würde sie auch etwas diskriminiert unter russischer Herrschaft.

In dem Geschäft wo sie vorher gearbeitet hatte, spielte selten auch mal ein ukrainisches Lied, eine Frau beschwerte sic,h was das für eine unverständliche Musik sei, sowas sollte man nicht spielen. Oder, wenn sie mit Bekannten ukrainisch sprach, meinten die anderen Gäste im Restaurant, was sie für eine unverständliche Sprache spreche. Olga war ihr Name, sie hatte einen ukrainischen und russischen Pass. Vier Monate hatte sie in Mariupol ausgehalten im Keller. Sie weiß nicht mehr wie sie das Notwendigste zum Überleben organisiert hatten. Ihr Apartment in einem halbzerstörten Hochhaus, wo eine Wand nach aussen völlig fehlte, bauten sie selber wieder auf, keine Unterstützung vom russischen Staat. Warum ist Olga nicht geflohen vor dem Krieg? Sie sagte das diese Stadt ihr Lebensmittelpunkt sei, ihre Familie, ihr Mann lebt hier, deshalb hat sie alles ausgehalten. Auf meine Frage ob sie glaubt dass die Stadt noch mal ukrainisch würde, sie weiß es nicht, ob sie es will, ja.

Abends auf dem Weg nach Melitopol aus der Stadt heraus weiterer Militärkontrollpunkt mit vielen Fragen, aber nach 15 Minuten konnten wir weiterfahren, auch wenn unsere Angaben, das wir auf einer touristischen Reise zur Krim seien, etwas unglaubwürdig wirkten. Wir wurden aber noch darauf hingewiesen das nach 21 Uhr Ausgangssperre herrscht, also wir das Fahrzeug neben der Strasse abzustellen haben wenn wir im Fahrzeug übernachten. Dass wir als westeuropäische Ausländer überhaupt hier reinfahren konnten, schon seltsam. Also suchten wir eine Stelle in der Nähe vom Meer und übernachteten ungestört. Ein Hotel suchen in Mariupol, ein Witz.

Immer wieder die Frage, kuda kuda, woher, wohin.

Mit Waffen kann man diesen, im gewissen Sinne auch ethnischen Krieg nicht lösen, er wird weiter eskalieren und weiter Hass verbreiten und keiner unserer sogenannten klugen ausgebildeten Diplomaten sind in der Lage oder haben den Wunsch dies zu beenden. Weil sie ihren „eigenen“ von Oligarchen bezahlten Interessen folgen, im Westen wie im Osten. Der Sturm kommt auf am Asowschen Meer. Die Frage in der Bibel was bedeutet die Wiedergeburt von Nicodemus an Jesus gerichtet welche antwortet, der Wind bläst von hier nach da, eine saloppe Antwort ohne etwas zu sagen, als, wir überlassen alles dem Wandel in der Zeit. Was tun die Menschen sich gegenseitig an? Auf Befehl von oben, von Regierungen, von Konzernen gesteuerten Politikern, welche nur ihren Vorteil und Gewinn suchen auf Kosten der einfachen Menschen.

8. Okt.

Am asowschen Meer an der Küste alte Schützengräben und Bunker wie am Atlantikwall.

Dann nochmal zurück nach Mariupol, der Militärposten kannte uns noch vom Abend und winkte durch, in der Stadt ein scharfer Kontrast zwischen Beauty Salon, Rich Bar und Trümmern.

Einige Leute sehr verwirrt am Strand, ein alter Mann mit einem Stück zerbrochenes Holz von einer Sitzbank in die Hand schimpft lauthals das es kaputt ist, derweil die gesamte Stadt in Trümmern liegt.Wir verlassen Mariupol nachdem wir noch einen traurigen Blick auf den einsamen Strand geworfen haben.

Auf dem Weg Richtung Krim weitere Militärkontrollen.

Vor  Berdiansk ein neues Objekt, finanziert von Amerika vor 2022, es sind ein paar Bänke und eine kleine Hütte und eine Tafel worauf in Ukrainisch und teils Englisch ein Fahrradweg von der Krim bis in das Donezgebiet skizziert ist, mit dem Gedanken der Verbindung der getrennten ukrainischen Bereiche.

Mit einem gewissen Humor haben die Russen das Objekt stehen gelassen, denn die Verbindung wurde, anders als von der Ukraine und Amerika gedacht, wieder geschaffen.

An der nächsten Militärkontrolle fragt einer der Soldaten uns wie die Stimmung denn in Deutschland sei was die Ukraine Frage betrifft, ich erkläre ungefähr 40% sind prorussisch und 60 antirussisch und in Lettland wäre das Verhältnis 20 zu 80.

Später auf einer ziemlich zerstörten unbefahrbaren ukrainischen alten Teerstraße, welcher man nur über das Feld ausweichen kann, stehen auf einmal fünf bis sechs Panzer, getarnt, mit den Schießrohren in die Frontrichtung zielend.




Ein Gedanke zu „Russlandreise Teil 3, Mariupol“
  1. Der Titel „Russlandreise Teil 3, Mariupol“ suggeriert ja eigentlich, daß die Ukraine ein Teil Rußlands sei, was ja nicht zutrifft. Mariupol ist ja eine Gemeinde eines völkerrechtlich anerkannten souverränen Staates und z.Z. nur von Invasoren okkupiert und ethnisch gesäubert worden – aber eben noch offiziell Teil der Ukraine. Es will der Autor sicher nicht damit gesagt haben, da die Ukraine ein Teil Rußlands sei, so daß ich vorschlagen würde, der Artikel sollte den Titel tragen „Russlandreise Teil 3, Ein Abstecher in das russisch besetzte Mariupol – Bilder der russischen Zerstörungswut“.

    Die Bilderserie ist in der Tat recht interessant zu schauen und ein authentischer Bericht über das, was ein Krieg so anrichten kann. Es ist auch interessant zu erfahren, weshalb eben manche Menschen auch in einer Trümmerwüste einfach weitermachen und eigenständig mit Reparaturen beginnen. Es ist aber sicher auch hoffnungsvoll zu sehen, daß es Menschen gibt, die trotz einer ethnischen Säuberung einfach weitermachen und sich nicht beirren lassen.

    Einen Satz in diesem Artikel finde ich hervorragend: „wenn sie mit Bekannten ukrainisch sprach, meinten die anderen Gäste im Restaurant, was sie für eine unverständliche Sprache spreche.“! Dieser Satz sagt alles, was der Verfasser dieses Kommentares ja auch schon immer wieder in auch anderen Kommentaren und eigenen Artikeln über Sprache gesagt hat. Das Ukrainische ist eben eine eigene slawische Sprache aus der ostslawischen Entwicklungsline, die sich trotz ihrer Verwandtschaft mit der russischen Sprache soweit von dieser entfernt hat, daß eine direkte Verständigung zwischen Ukrainern und Russen nur möglich ist, wenn Ukrainer russisch sprechen. Ukrainisch wird von Russen nicht verstanden und ebenso auch umgekehrt.

    Somit ist aber auch belegt, daß es eine eigene ukrainische Identität gibt, die sich unabhängig von Rußland entwickeln konnte. Man darf davon ausgehen, daß sich im Frühmittelalter das Russische, das Belarus und das Urkainische aus einer gemeinsamen Protosprache entwickelt haben, die sich aber zu diesem Zeitpunkt schon von den westslawischen und den südslawischen Sprachen getrennt hatte.

    Somit ist schon durch diesen Artikel allein ein Rechtfertigungsgrund Putins für den Krieg – oder nennen wir es härter und realistischer eine Propagandalüge des Kremls -, nämlich daß Ukrainer nur durch Verführung durch den Westen abtrünnig gewordene und einen Dialekt sprechende Russen seien, aif der ganzen Breite widerlegt.

    Auch sei auf einen Artikel bei Wikipedia verwiesen über Mariupol, aus dem allein schon hervorgeht, daß Mariupol eben keine ur-russische Gegend ist und eine sehr wechselvolle multikulturelle und multiethnische Geschichte hat, was natürlich nicht in die marxistische Ideologie des Sowjetreiches paßte und auch nicht zu dem Hegemonie-Anspruch des derzeitigen wohl vermutlich eher von mafiosen Oligarchen regierten Sowjetnachfolge-Staates paßt, dessen Herrscher von KGB-Leuten ihre Schule haben, welcher bekanntermaßen auch für die Ermordung von wohl über 100 Mio. Menschen verantwortlich zeichnet. – Und da sind wir wieder bei den Bildern, die der Verfasser des Artikels dankenswerterweise eingebunden hat, die zeigen, daß es Menschen gibt, die außer Zerstörung, Kummer und Leid sowie Austoben ihrer Gier nach Macht und Geld nichts bewirken können und wie das aussieht, wenn solche Menschen Macht in die Hände bekommen.

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